Rund 150 Kilometer südlich der Hauptstadt Seoul soll in Südkorea eine neue Stadt entstehen, die als Zentrum für Wissenschaft, Bildung und Wirtschaft entwickelt wurde. Zusammen mit privaten Investoren soll Sejong City praktisch aus dem Boden gestampft werden. Einige südkoreanische Unternehmen, darunter der Elektronikkonzern Samsung, unterzeichneten bereits Verträge für einen teilweisen Umzug in die Region, wie Ministerpräsident Chung Un Chan mitteilte.

Der Bau von Sejong City soll rund 10 Milliarden Euro kosten. Bis zum Jahr 2020 werden hier 500.000 Menschen leben, so der Plan. Zudem soll eine viertel Million neuer Arbeitsplätze entstehen. Die südkoreanische Regierung will  die Stadt als Zentrum eines internationalen "Gürtels" für Wissenschaft und Wirtschaft entwickeln.

Kernpunkte sind die Ansiedlung von Instituten für Grundlagen- und Fusionsenergieforschung, zudem will die Korea Universität hier einen Campus errichten, wie die südkoreanische Zeitung The Korea Herald schreibt. Auch Schulen, Krankenhäuser, Bibliotheken sowie Museen sind im Bauplan vorgesehen. Namensgeber der Stadt ist ebenfalls ein Mann der Bildung: Sejong war ein Herrscher im 15. Jahrhundert Auf ihn geht das geschriebene Alphabet des Landes zurück.

Ursprünglich war Sejong City in der Provinz Chungcheong als zweiter Regierungssitz geplant, um die Entwicklung der verschiedenen Regionen Südkoreas ausgeglichener zu gestalten. Hierfür sollten mehrere Ministerien nach Sejong umsiedeln. Diese Pläne hätten sich hingegen als "ineffizient" und als "Verschwendung nationaler Ressourcen" erwiesen, sagte Premier Chung. Ganz anders sieht es nun offenbar für ein Wissenschaftszentrum namens Sejong City aus. Die Regierung arbeite auf eine rasche Änderung des Gesetzes zu den ursprünglichen Plänen für das Großprojekt als Regierungssitz hin, sagte Chung.

Dies dürfte heftige Auseinandersetzungen mit der Opposition provozieren. "Die Änderung des Projekts Sejong City wird als schwerster Fehler der Politik in die Geschichte eingehen", zitiert der Herald Lee Hoi-chang von der oppositionellen Liberty Forward Party (LFP). Die Regierung gebe den Plan einer dezentralisierten Entwicklung auf und versuche lediglich, von den Problemen in der Region Chungcheong abzulenken, indem sie ihr eine neue Stadt baut. Auch in der Regierungspartei, der Grand National Party, regt sich Widerspruch. Kritiker des Projekts befürchten, dass die Konzentration öffentlichen und privaten Kapitals in Sejong andere Regionen benachteiligt.

Doch die südkoreanische Regierung treibt ihre Pläne unbeirrt voran und lockt ausländische Investoren mit günstigem Bauland, niedrigen Steuersätzen und geringer Bürokratie. Die fünf Großunternehmen Samsung, Hanwha, Woongjin, Lotte und SSF weiß Premier Chung bereits hinter sich: Dem Herald zufolge sagten die Konzerne Investitionen in einer Gesamthöhe von umgerechnet rund 3,1 Milliarden Euro zu. Außerdem wollen sie 23.000 neue Jobs schaffen.