Haben Sie in diesem Jahr wieder nichts zum Valentinstag bekommen? Kein Wunder! Denn moderne Verehrer setzen längst nicht mehr auf Blumen oder Pralinen. Vor allem dann nicht, wenn sie über den potenziellen Partner nicht mehr wissen, als dass er ihnen hübsch und sympathisch erscheint. Heutzutage wird erst einmal das Online-Profil im Partnerforum studiert, es wird gegoogelt, auf Facebook oder StudiVZ nachgeschaut, bevor ein Annäherungsversuch erfolgt. Einige Singles verlangen sogar eine Speichelprobe für einen Gentest – bevor sie sich auf ein Date einlassen.

Angesichts dieser Entwicklung war gar nicht so abwegig, was Dora Dyx schon vor 100 Jahren über die Zukunft der Liebe dachte: Sie werde sich zu einer Art "Zuchtwahl im edleren Sinne" wandeln, schrieb sie damals in dem Kapitel "Die Frau und die Liebe" für das 1910 erschienene Buch Die Welt in 100 Jahren. Kein Historiker, kein Soziologe lässt sich finden, der den Namen Dora Dyx schon einmal gehört hat. So ominös die Autorin ist, so ominös erscheint auch ihre Vision – auf den ersten Blick.

"Man wird die Radioaktivität der Seele und ihre Wechselwirkung aufeinander sehen und messen können", prophezeite Dyx. Zwar bringen Singles heutzutage keinen Geigerzähler mit zum ersten Date, aber einige versuchen immerhin per Gentest herauszufinden, ob der oder die Angebetete zu ihnen passen würde. Ein Wangenabstrich und 99 US-Dollar reichen, damit Wissenschaftler der Firma Genepartner in einem Züricher Labor den drängendsten Fragen nachgehen: Wird man aufregenden Sex haben, sich treu sein und leicht ein Kind zeugen können?

"Liebe ist kein Zufall" lautet das Motto des Unternehmens. Der Code für die Liebe lasse sich in einem Teil des Erbguts finden: in jenen Genen, die für die Bildung der sogenannten Humanen Leukozyten-Antigene (HLA) zuständig sind. Diese Eiweiße sind wichtig für die Immunabwehr. Dass diese Gene letztendlich dafür verantwortlich sind, ob zwei Menschen sich "riechen" können, wurde erstmals vor 15 Jahren nachgewiesen.

Dazu ließ der Biologe Claus Wedekind Männer drei Tage lang dasselbe T-Shirt tragen – Waschen, Deo und Parfüm waren tabu. Anschließend schnupperten Damen an den Hemden. Das Ergebnis: Hatten Frau und Mann den gleichen HLA-Typ, nahm die weibliche Nase den männlichen Duft eher als muffig wahr; unterschieden sich beide Probanden im HLA-Typ, wurde der Duft als attraktiv empfunden.

Dahinter steckt ein evolutionsbiologischer Trick, der schon von Natur aus dafür sorgen soll, dass sich der Genpool gut durchmischt: Je unterschiedlicher die Gene zwischen zwei Menschen, desto vielfältiger wird die Erbsubstanz beim Nachwuchs sein – und desto höher dessen Überlebenschancen. Bezogen auf den HLA-Komplex bedeutet das: Wenn Mutter und Vater ihrem Nachwuchs möglichst viele verschiedene HLA-Gene vermachen, ist das Immunsystem des Kindes stabiler und gegen Krankheiten stärker gewappnet.

Klar, dass Frauen von Natur aus einen Partner bevorzugen sollten, mit dem die auf gesunden Nachwuchs hoffen können – und das erkennen sie zum Teil am Geruch. Allerdings funktioniert das nicht, bei Frauen, die die Pille nehmen. Bei ihnen täuschen die Hormone eine Schwangerschaft vor und das lässt sie andere Männertypen bevorzugen.