Ein kleiner Stützpunkt des amerikanischen Heimatschutzministeriums an der Küste von Gulfport in Mississippi. Kameras, Stacheldraht, meterhohe Zäune – hier kommt niemand ohne Einladung herein. Wachposten an der Toreinfahrt verscheuchen jeden, der neugierig einen Moment zu lange stehen bleibt. Ab und an fahren Geländewagen mit dunklen Scheiben auf das Gelände.

"Kein Kommentar" ist alles, was Petty Officer Reece zu sagen hat. Dabei ist der Unteroffizier der Pressesprecher des Stützpunkts. Drinnen liegen Boote der Küstenwache festgetäut am Steg, statt im Golf von Mexiko im Kampf gegen die Ölpest eingesetzt zu sein. Sturm und Gewitter zwingen die Crews an Land zu bleiben.

Plötzlich fährt ein Zivilauto vom Gelände, das nicht hierher zu gehören scheint. Der Fahrer steuert den Strand in der Nähe des Stützpunkts an. Eine Frau und ein Mann steigen aus, machen sich an Geräten zu schaffen. "Wir sagen nix", blockt der Mann ab und versperrt mit seinem massigen Körper den Blick in das Wageninnere. "Verschwinden Sie!" Die Frau schweigt ganz, hantiert weiter mit den technischen Geräten. 

"Wenn sie was wissen wollen, fahren sie nach Washington", bellt der Mann. Er selbst will nicht sagen, in wessen Auftrag sein kleines Spezialkommando hier am Golf von Mexiko arbeitet.

Als die beiden Geheimniskrämer fertig sind, lassen sie eine Vorrichtung am Strand von Mississippi zurück, ein Messgerät. Die beiden sind im Auftrag der US-Regierungsorganisation EPA unterwegs, die ihren Mitarbeitern ein strenges Redeverbot auferlegt hat. Die Environmental Protection Agency ist eine Art Umweltbehörde und mit der Beobachtung und Eindämmung der durch die Ölpest verursachten Umweltschäden beauftragt.

Denn wenn, wie nach dem Sinken der explodierten Bohrplattform Deepwater Horizon, Zehntausende Tonnen Öl ins Wasser laufen, sind die ersten Opfer der Katastrophe die Tiere. Fische, Vögel und auch Schildkröten wurden bereits tot gefunden. Die Menschen trifft es vor allem ökonomisch. Auch hier in Gulfport leben viele vom Fischfang und den Touristen, die Boote chartern, Hotelzimmer buchen und in den Seafood-Restaurants essen gehen.

Doch die Art und Weise, wie der Ölteppich bekämpft wird (Fotostrecke), birgt für die Menschen am Ufer Gesundheitsrisiken. Denn ein Teil wird angezündet. Das Öl soll verbrennen, so lange es draußen auf dem Meer schwimmt – in der Hoffnung, dass der Schaden für die Natur dort geringer ausfällt, als etwa im Mississippi-Delta mit seiner außergewöhnlichen Artenvielfalt.