Nach seinem Tod ist der Leopard Ninja für die Wissenschaft unsterblich geworden. Sein Kopf mit den gefährlich spitzen Zähnen wurde im ersten hochmodernen Computertomographen für wilde Tiere gescannt. Forscher aus aller Welt können diese Bilder nun studieren. Das rund eine Million Euro teure Gerät am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) wird nun offiziell in Betrieb genommen. Der erste Patient wird eine Borneo-Schildkröte sein, die vielleicht einen Angelhaken verschluckt hat.

Der neue Computertomograph hat für die Tiere am IZW einen ganz entscheidenden Vorteil: Mussten Wissenschaftler manche Tiere für Untersuchungen früher noch töten, werden nun viele nur noch durchleuchtet. Tierarzt Guido Fritsch schätzt die neue Technik deshalb sehr. "Bisher mussten wir ein Tier aufschneiden, um reinzugucken", sagt er. Nun übernimmt eine Maschine den Job.

In der Humanmedizin werden Computertomographen (CT) schon lange angewendet. Auch kranke Tiere profitieren bereits von der modernen Röntgentechnik. An der Freien Universität Berlin (FU) sind Tier-CTs von Katzen und Hunden Routine. Auch so manches wilde Tier war schon zu Gast. Doch mit Elefanten, Löwen, Flusspferden oder Bären gibt es eben ein Problem. Sie sind oft zu groß und zu schwer – und die CT-Technik an der FU ist nicht mehr die schnellste.

Der neue Tomograph am IZW durchleuchtet bis zu 300 Kilogramm schwere Tiere in Sekundenschnelle. Vor kurzem lag dort der kleine Elefant Jamuna Toni aus dem Münchner Zoo. Das Jungtier musste eingeschläfert werden, weil es sich nicht mehr bewegen konnte. Erst im CT bestätigte sich der Verdacht: Jamuna Toni litt an einer bösartigen Knochenkrankheit. Die CT-Analyse soll nun helfen, die genaue Ursache herauszubekommen. Ein genetischer Defekt? Die Zeit drängt, denn das Muttertier in München ist wieder trächtig.

"Eine CT-Auswertung macht uns die Entscheidung leichter, ob wir ein krankes Tier einschläfern", sagt Thomas Hildebrandt, Chef der Tierärzte am IZW. Denn die Untersuchung führe zu objektiven Kriterien, die man bisher nicht hatte." Zuvor war es meist eine Bauchentscheidung." Für schwer kranke Wildtiere könne sich dadurch die Leidenszeit verkürzen. Für andere, denen eine Therapie noch hilft, lassen sich durch die Computerbilder einfacher Operationsstrategien entwickeln.