ZEIT ONLINE : Uns erreichen ständig neue Ergebnisse aus der Klimaforschung, die kontrovers diskutiert werden. Außerdem streiten Wissenschaftler selbst darüber, wie aussagekräftig Klimamodelle sind und wie sicher Vorhersagen. Der Climategate-Skandal hat das Vertrauen in die Klimaforschung schwer erschüttert .

Walter Staveloz : Ich denke nicht, dass die Ergebnisse der Klimaforschung so kontrovers sind, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Natürlich variieren die Daten der Klimaforscher und die Methoden der Erhebung. Dass Forschungsergebnisse sich widersprechen und Wissenschaftler streiten, gehört zur Forschung dazu, bedeutet aber nicht, dass alle Ergebnisse wertlos sind. Im Endeffekt deuten heute alle Studien in eine Richtung: Es gibt den Klimawandel, der Mensch hat ihn zumindest mitverursacht und vermutlich werden die Folgen schwerer ausfallen, als im Worst-Case-Szenario des Weltklimarates (IPCC) .

ZEIT ONLINE : Sie organisieren internationale Projekte, um Wissenschaft näher an die Menschen zu bringen. Können Ausstellungen und Museen überhaupt der aktuellen Debatte Rechnung tragen?

Staveloz : Ja, davon bin ich überzeugt. Meine Aufgabe ist es, weltweit Zoos, Museen und Informationszentren zusammenzubringen mit dem Ziel, einem breiten Publikum komplexe Zusammenhänge zu vermitteln. Der Klimawandel spielt da natürlich eine große Rolle. Um zum Beispiel zu zeigen, warum sich durch das Abschmelzen der Polkappen das Klima ändert, haben vor der Klimakonferenz in Kopenhagen 20 Wissenschaftszentren in neun Ländern riesige weiße Flächen auf der Erde ausgebreitet – aus Papier, Bettlaken und anderen Materialien. Satelliten der US-Weltraumbehörde Nasa machten davon Aufnahmen aus dem All. Die Bilder verdeutlichen, wie stark weiße Oberflächen Sonnenlicht reflektieren. Diese Strahlen erwärmen die Erde dadurch weniger stark. Ähnliches passiert mit dem Eis an den Polen. Schmilzt es, verringert sich dieser kühlende Effekt.

ZEIT ONLINE : Aber der Klimawandel ist doch viel komplexer. Schmelzende Polkappen sind ein durchaus umstrittener Teil davon. Einige unserer Leser glauben nicht daran, dass der Klimawandel ein reales Problem ist. In unserer Community ist immer wieder von der "Klimalüge" zu lesen. Das hat natürlich auch mit der Glaubwürdigkeit des Weltklimarates IPCC zu tun, in dessen Sachstandsbericht zum Teil schwere Fehler eingeflossen sind . Haben Wissenschaftler, Journalisten und andere Kommunikatoren beim Thema Klimaschutz versagt?

Staveloz : Das IPCC hat Fehler gemacht. Aber als Klimaforscher beschuldigt wurden, Studienergebnisse verfälscht und die Öffentlichkeit bewusst getäuscht zu haben, hätten auch wir als Verband der Wissenschaftszentren die Forscher verteidigen müssen. Dass wir uns rausgehalten haben, hat den Eindruck hinterlassen, auch wir würden generell an der Arbeit der Forscher zweifeln. Am Ende haben der E-mail-Skandal und die Kontroverse um den IPCC-Bericht dazu geführt, dass die Menschen heute alles infrage stellen, wovor Klimaforscher warnen – und das ist fatal.