Nobelpreisträger im Gespräch: Arno Penzias

Eigentlich wollten Arno A. Penzias und sein Kollege Robert W. Wilson in den sechziger Jahren nur eine Antenne zur Satellitenkommunikation testen. Doch dann empfingen sie ein seltsames Rauschen, das gleichmäßig aus allen Himmelsrichtungen zu kommen schien. Auf der Suche nach der vermeintlichen Fehlerquelle überprüften sie sämtliche Schaltkreise und beseitigten unter anderem ein Taubenpaar, das in der Antenne brütete – das Rauschen blieb. Die beiden Physiker, Angestellte der privaten Bell Telephone Laboratories, hatten per Zufall 1965 die kosmische Hintergrundstrahlung entdeckt. 13 Jahre später erhielten sie dafür den Nobelpreis für Physik.

Die kosmische Strahlung war bereits in den vierziger Jahren vorhergesagt worden von dem in den USA arbeitenden russischen Physiker George Gamow. Er war überzeugt, dass das Weltall in einer gewaltigen Explosion geboren wurde, dem Urknall . Die heiße Strahlung dieser Explosion müsste sich während der Ausdehnung des Alls abgekühlt haben, meinte er, und heute im Mikrowellenbereich liegen. Penzias und Wilson gelang es, dieses Echo des Urknalls zu messen. Sie lieferten damit einen wichtigen Beweis für die Urknalltheorie.

Arno Allan Penzias wurde 1933 als Kind jüdischer Eltern in München geboren. Sechs Jahre später floh die Familie vor den Nazis in die USA . Knapp 40 Jahre später hielt Penzias den Physiknobelpreis in den Händen. Die beiden amerikanischen Astrophysiker Penzias und Wilson teilen sich die Auszeichnung – die andere Hälfte erhielt der russische Forscher Pjotr Kapitza, der die theoretische Basis für die Messtechnik entwickelte.

ZEIT ONLINE traf Arno Penzias zum Videointerview am Rande des diesjährigen Nobelpreisträgertreffens in Lindau . Die Preisträger der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung werden in diesem Jahr ab dem 4. Oktober bekannt gegeben.

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