Eben noch hat er die Stufen ganz locker genommen, doch auf der untersten von ihnen, ganz dicht vor dem bereitstehenden Taxi, bricht der Geschäftsmann plötzlich zusammen. Er ist bewusstlos, atmet allenfalls schnappend. Ein lebensgefährlicher Kreislaufstillstand. Doch der Mann hat Glück im Unglück: Er hat gerade ein großes Hotel verlassen, sofort ist ein couragierter Helfer zur Stelle, der einen livrierten Angestellten veranlasst, drinnen an der Rezeption den Notruf zu wählen. Und der sich selbst sogleich an die Wiederbelebung macht.

Zu sehen ist die kleine Szene auf der Homepage der American Heart Association (AHA) (siehe Video unten). Am Montag hat diese Fachgesellschaft, zeitgleich mit dem European Resuscitation Council (ERC) und dem International Liaison Committee on Resuscitation (ILCOR) , eine aktualisierte Leitlinie veröffentlicht ( hier können Sie diese auf Deutsch herunterladen ). Die spektakulärste Neuigkeit wird in dem kleinen Film schon in Szene gesetzt: Laien, die in einem solchen Fall Erste Hilfe leisten wollen, sollten sich nicht an die Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung machen, sondern sich allein auf die Herzdruckmassage konzentrieren.

Das Video der American Heart Association veranschaulicht die neue Leitlinie (in englischer Sprache)

Die Experten haben damit ihre jahrelang gültige ABC-Regel umgestoßen, in der es noch hieß: Erst sicherstellen, dass die Atemwege frei sind (A wie Airway), dann Beatmen (Breathing), zuletzt Druckmassage (Compression). Die neue Regel lautet CAB – und um A und B, also alles rund ums Atmen, sollen sich möglichst schon wenige Minuten später die geschulten Helfer kümmern. "Laienhelfer, die die Atemspende gelernt haben, sollten aber nach dreißig Kompressionen des Brustkorbes zwei Beatmungen durchführen", ergänzt Burkhard Dirks von der Uniklinik in Ulm, Vorsitzender des deutschen Rates für Wiederbelebung. Außerdem bleibt beim gefährlichen Kammerflimmern des Herzens der Defibrillator wichtig. Geräte, die auch von Laien bedient werden können, finden sich inzwischen in vielen öffentlichen Gebäuden.

Dietrich Andresen , Direktor der Klinik für Innere Medizin, Kardiologie und konservative Intensivmedizin in zwei der Berliner Vivantes-Kliniken, begrüßt die Vereinfachung der Leitlinien. Und das zunächst aus fachlichen Gründen: "Wenn ein Mensch aus heiterem Himmel umfällt, steckt meist ein Stillstand von Herz und Kreislauf dahinter. Dann kommt es darauf an, die Organe möglichst schnell wieder mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen, allen voran das empfindliche Gehirn."

Dass die Herzdruckmassage das effektivste Mittel ist, das Laien dazu in ihrer eigenen Hand haben, belegen inzwischen mehrere Studien. Zuletzt zeigten Michael Hüpfl und seine Kollegen von der Medizinischen Universität Wien bei der zusammenfassenden Analyse von drei Studien mit 3700 Patienten mit Herzstillstand, dass es etwa ein Fünftel mehr Überlebende gab, wenn Laienhelfer angewiesen wurden, nach dem Notruf gleich mit der Herzdruckmassage zu beginnen und auf Beatmung zu verzichten. Die Studie wurde vergangene Woche online im Fachjournal Lancet veröffentlicht.