"Mein Plan für heute ist, zur Arbeit zu gehen und ein paar Aufsätze fertig zu machen". Dazu wird der Physiker Andre Geim wohl nicht mehr kommen. Völlig überrascht wurde er von der Nachricht aus Stockholm. Zusammen mit seinem Kollegen Konstantin Novoselov erhält Geim den diesjährigen Physiknobelpreis .

Wohl kaum jemand hat damit gerechnet, dass die Auszeichnung an das vergleichsweise junge Forscherduo gehen könnte. Beide sind Professoren an der Universität Manchester – dort tüfteln der 51-jährige Geim und sein 16 Jahre jüngerer Kollege Konstantin Novoselov seit 2005 gemeinsam. Sie schafften es, aus gewöhnlichem Graphit ein zweidimensionales Kohlenstoffkristall zu extrahieren. Dieses Graphen ist leichter, härter und flexibler als alle bislang bekannten elektrischen Leiter – ein Wundermaterial. Eines Tages könnte es in Mikrochips nicht nur als Halbleiter Silizium ersetzen. Ganz neue Werkstoffe seien möglich, prophezeit das Nobelkomitee. Sie könnten nicht nur die Elektrotechnik revolutionieren, sondern möglicherweise gar zum Bau von Satelliten und Flugzeugen dienen.

Die Physiker, die beide aus Russland stammen, lernten sich in den Niederlanden kennen. "Ich bin entzückt. Das russische Genie kann sich auch in Manchester durchsetzen", sagte Gennadi Mesjaz, Vizepräsident der russischen Akademie der Wissenschaften, als er von der Ehrung erfuhr. Neben Russland könnten allerdings auch die Niederlande und Großbritannien die Nobelpreisträger für sich beanspruchen: Geim hat heute die niederländische Staatsbürgerschaft und Novoselov hat neben dem russischen einen britischen Pass.

Andre Geim wurde in Sochi geboren. Nach dem Studium an der Physikalisch-Technischen Universität in Moskau promovierte er in Festkörperphysik, 1990 kam er mit einem Stipendium an die Universität Nottingham und damit erstmals nach Großbritannien. 1991 ging er an die Universität Nijmegen in den Niederlanden, wo er Konstantin Novoselov kennenlernte.

Heute ist Geim Direktor des Manchester Centre for Mesoscience and Nanotechnology . Auch wenn Geim jetzt dank des Preisgeldes um umgerechnet eine halbe Million Euro reicher ist, will er weiterforschen. "Einige der Nobelpreisträger haben ja tatsächlich danach aufgehört zu arbeiten. Andere denken, sie haben ihn nur zufällig bekommen. Ich gehöre in keine der Kategorien, ich werde einfach nur weitermachen. Ich bin sehr stolz auf den Nobelpreis", sagte er direkt nach der Bekanntgabe der Auszeichnung. Bereits im vergangenen Jahr erhielt Geim für seine Forschung den Körber-Preis .