Die Pensionierung der altersschwachen Raumfähre Discovery verzögert sich. Fünf Mal hat die Raumfahrtbehörde Nasa den Start verschoben, nun um mehrere Wochen. Die technischen Probleme seien so massiv, dass ein Start im aktuellen Zeitfenster nicht mehr möglich sei, sagte Nasa-Manager Mike Moses.

Ursprünglich sollte die Mission am vergangenen Montag beginnen. Doch entweder die Technik oder das Wetter spielten nicht mit. Erst leckte es aus den Helium- und Sauerstoffleitungen, dann verweigerte der Hauptcomputer seine Dienste. Auch das Triebwerk machte Probleme. Zuletzt war ein Start für Freitag vorgesehen. Doch wenige Stunden bevor die Discovery abheben sollte, entdeckten die Ingenieure einen neuen Defekt: An der Verbindung zwischen einem Außentank und einem Ableitungsrohr trat Wasserstoff aus.

Der Schaden war zu groß, um ihn bis zum vorgesehenen Start am Montag zu beheben. Man wolle die Reparatur und Analyse nicht unter Zeitdruck erledigen, sagte Moses. Zudem sei noch ein großer Riss an einer Tankdichtung gefunden worden. Ein späterer Abflugtermin ist ausgeschlossen, da der Sonnenwinkel im übrigen Monat ungünstig ist. Erst in drei Wochen öffnet sich das nächste Zeitfenster für den Start der bemannten Raumfähre.

Es habe bereits ähnliche Schwierigkeiten am Tanksystem bei vorangegangen Shuttle-Missionen gegeben – allerdings nicht in einem solchen Ausmaß wie jetzt, sagte Moses. Der Tank müsse nun geleert werden, bevor die Techniker den Schaden genauer untersuchen können.

Die Pause kommt ungelegen. Die Discovery sollte in ihrer 39. Mission das letzte wichtige Bauteil für die internationale Raumstation ISS ins All bringen. Zudem ist ein ungewöhnlicher Astronaut mit an Bord: der "Robonaut 2" (R2) . Der humanoide Roboter hat die Raumfähre schon betreten und wartet nun in der Maschine darauf, dass es endlich losgehen kann. Seine Kollegen aus Fleisch und Blut müssen dagegen die ganzen Vorbereitungsprozeduren noch einmal durchmachen.

Die Nasa hat mit dem Abschiedsflug der Discovery einfach kein Glück. Dabei hat sich die Raumfähre in der Vergangenheit stets als solide erwiesen. Nach der Explosion der Challenger 1988 durfte sie als erste wieder abheben. Und auch nach der Columbia -Katastrophe von 2005 war die Discovery der erste bemannte Shuttle, der wieder ins All flog.

Doch das technische Problem ist ein generelles. Schon öfter kam es zu einem Defekt am Verbindungsstück zwischen dem Außentank der Fähren und einem Ableitungsrohr. Mehrfach mussten Starts deswegen kurzfristig abgesagt werden. Nicht nur die Discovery ist davon betroffen, sondern auch die Schwesternschiffe Atlantis und Endeavour .  

Experten bemängeln seit Jahren, die 30-jährige Discovery sei altersschwach, störanfällig und kompliziert – vor allem im Vergleich zur russischen Kapsel Sojus . Die Technik stammt zum Teil noch aus den sechziger Jahren. Öffentlich spielt die Nasa diese Sorgen herunter. Die Raumfähre ginge wie jede andere Maschine nun mal hin und wieder kaputt.

Bald ist die Nasa ihre Sorgen ohnehin los: Denn nach einem erfolgreichen Flug der Discovery steht nur noch eine Mission der Endeavour im Februar kommenden Jahres an und eventuell noch ein weiterer Start der Atlantis im Sommer. Dann beendet sie US-Raumfahrtbehörde die Ära der Space Shuttles . Vorausgesetzt die Discovery bringt den ganzen Flugplan nicht durcheinander.