Mit Hilfe des Röntgenteleskops Chandra haben Nasa-Forscher das bisher Schwarze Loch in unserer kosmischen Nachbarschaft aufgespürt. Wegen seiner Nähe zu unserer Heimatgalaxie Milchstraße ist das nur 30 Jahre alte Himmelsobjekt in der Galaxie M100 für Astronomen besonders interessant. Sie können nun erforschen, wie supermassive Sterne explodieren. Bei ihrer Explosion entstehen entweder Schwarze Löcher oder Neutronensterne.

Wie die Nasa-Wissenschaftler berichten, ist das Schwarze Loch ein Überbleibsel der Supernova SN 1979C. Diese gewaltige Sternexplosion ist 50 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt und wurde 1979 von einem Amateur-Astronomen entdeckt. Bereits seit 1995 hatten verschiedene Röntgenteleskope – darunter auch der deutsche Satellit Rosat – eine gleichmäßige Strahlung aus Richtung der Supernova registriert.

Erst jetzt hatten die Forscher ausreichend Daten gesammelt, um sie unter dieser neuen Fragestellung auswerten zu können. Ihre Ergebnisse werden im Magazin New Astronomy veröffentlicht.

Die Wissenschaftler schließen aus der Beschaffenheit der Strahlen, dass ein Schwarzes Loch in der Galaxie M100 kosmisches Material aufsaugt – entweder von der Supernova oder von einem Stern aus einem Doppelsternsystem.

Wenn die Wissenschaftler mit ihrer Interpretation richtig liegen, wäre dies der von der Erde aus "nächste Beleg für die Geburt eines Schwarzen Lochs, der je beobachtet wurde", sagte der Studienleiter Daniel Patnaude vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik im amerikanischen Cambridge.

Die meisten bisher bekannten Schwarzen Löcher sind weit von der Milchstraße entfernt und nach gängiger Theorie eher untypisch – denn sie senden Gammastrahlenblitze aus. Das neue Nachbar-Loch gehört nach Ansicht der Forscher zu einer weit häufigeren Kategorie ohne derartige Energieausbrüche. "Dies dürfte das erste Mal sein, dass die herkömmliche Entstehung eines Schwarzen Loches beobachtet wurde", sagte der Physiker und Mathematiker Abraham Loeb, der ebenfalls in Harvard forscht.

Trotz allem ist nicht ganz ausgeschlossen, dass es sich bei dem spannenden Himmelsobjekt doch um einen Neutronenstern handelt, der sehr energiereiche Partikel aussendet. Doch auch so ein junger Pulsarwind-Nebel in unmittelbarer Nähe zur Milchstraße wäre für Astronomen eine Sensation.

Das Chandra-X-ray-Observatorium, das die Hinweise auf das Schwarze Loch lieferte, ist eines der vier größten Weltraumteleskope und wurde 1999 an Bord eines Space-Shuttles in All befördert.