Warum weht die Fahne? Buzz Aldrin steht doch mit dem Sternenbanner auf dem Mond, da gibt es keinen Wind. Warum sind keine Sterne am Himmel? Die Schatten, die sind auch seltsam. Und müsste unter dem Landemodul "Eagle " nicht ein Krater sein, vom Raketenstrahl?

Erstaunlich viele Menschen sind nach wie vor überzeugt: Die Mondlandungen des US-Raumfahrtprogramms Apollo haben nie stattgefunden. Ein Filmteam soll sie im Studio gedreht haben. Die Verschwörungstheorie hält sich so hartnäckig, dass die europäische Raumfahrtagentur Esa ihr einen Vortragsabend widmet: Ein leibhaftiger Raumfahrtingenieur, Rainer Kresken vom Europäischen Satellitenkontrollzentrum Esoc in Darmstadt, soll die Ungläubigen bekehren.

Das wird ihm kaum gelingen, allein schon, weil er aus ihrer Sicht zu den Schurken gehört. Ist doch klar, dass die Nasa die Esa fest im Griff hat, und die ist Schuld an dem ganzen Hoax , der Veräppelung. Im Auftrag der US-Regierung hat sie die Mondlandung gestellt, um nach dem Sputnik-Schock – die Sowjetunion schickte als erste Satelliten, Hündinnen und Kosmonauten ins All – im Weltraum-Wettrennen zu punkten.

Kennedy hatte 1961 die Mondlandung versprochen, doch Mitte der sechziger lagen die USA im "Space Race" noch weit zurück. Die Nasa erlitt verheerende Rückschläge. Die erste Apollo-Kapsel brannte bei einem Test auf der Startrampe aus, drei Astronauten starben. Das war 1967 – und zwei Jahre später soll es den Amis gelingen, drei Männer nicht nur zum Mond zu bringen , sondern auch noch sicher zurück?

Niemals, schrieb als erster der bis dahin unbekannte Ratgeber-Autor Bill Kaysing . Der war zwar kein Wissenschaftler, aber er hatte bei der Nasa gearbeitet. Na ja, bei einer Zulieferfirma der Nasa. Als Autor von Bedienungsanleitungen. Die Nasa habe für 30 Milliarden Dollar einen Riesenschwindel inszeniert, behauptete er 1974 in seinem Buch We never went to the moon (Wir sind nie zum Mond geflogen).

Kaysings selbst verlegtes Opus fiel auf fruchtbaren Boden, denn die USA waren verunsichert: Seit der Watergate-Affäre war Washington alles zuzutrauen. Heute glauben nach Umfragen in den USA rund 20 Prozent nicht an die Landung. Rainer Kresken, der in seinen Vorträgen die Argumente der Verschwörungstheoretiker fachmännisch zerlegt, reimt sich deren Motiv so zusammen: "Die Leute finden es einfach spannend, wenn sie etwas entdecken, dass nicht der allgemeinen Meinung entspricht, damit kann man sich abheben. Das ist eine menschliche Grundtendenz." 

Dabei strotzen viele Vertreter der Verschwörungsthese nicht vor Glaubwürdigkeit. Eine der ersten Institutionen, die das Thema aufgriff, war die Flat Earth Society. Der Verein wurde 1956 zu dem Zweck gegründet, die Irrlehre von der Kugel- oder Ellipsoidform der Erde zu widerlegen. Logisch: Wer weiß, dass die Erde flach ist, muss erkennen, dass die vom Mond aus aufgenommen Bilder Fälschungen sind, denn da erscheint sie ja als Kugel.

Es gibt Mondgestein, es gibt Überbleibsel von Landefähren, es gibt Fotos ...

Kresken saß als Siebenjähriger fasziniert vor dem Fernseher , als Armstrong seinen Satz von den kleinen Schritten und den großen Sprüngen sagte. Wegen der Apollo-Mission studierte er Naturwissenschaften, traf im Studium Professoren, die am Nasa-Programm mitgearbeitet hatten. Als er die These vom Mond-Schwindel erstmals hörte, war er empört, "dass die Leistungen geleugnet wurden" – und dann schon wieder fasziniert: "Ich konnte nicht alle Argumente sofort widerlegen. Vieles hört sich zunächst sehr schlüssig an."

Kresken las sich ein, suchte und fand Gegenargumente. Sein bestes sind die Sowjets: "Die hätten es mit ihren technischen Möglichkeiten schon mitbekommen, wenn das ein Schwindel gewesen wäre, und es der Welt mitgeteilt."

Es gibt Mondgestein, es gibt die von Apollo auf den Mond gebrachten Laser-Reflektoren, es gibt Fotos der Mondoberfläche mit Überbleibseln der Landefähren, es gibt Astronomen, die die Missionen beobachtet haben – alles manipuliert, getrickst, bestochen, sagen die Verschwörungsfreunde. Und die Mitwisser der Verschwörung? Ermordet. "Das hat schon religiöse Züge", sagt Kresken.

Was ist denn nun mit der Fahne und den Sternen, um zwei der seit Jahrzehnten kolportierten Zweifel aufzugreifen? Die Fahne weht gar nicht, denn der Faltenwurf des Tuches ist auf mehreren Fotos exakt gleich . Gegenfrage: Warum sollte sie im Studio wehen? Die Sterne sind nicht zu sehen, weil auf dem Mond die Sonne schien. Sie waren trotz fehlender Atomsphäre schon mit bloßem Auge kaum zu sehen. Einer Kamera, die mit kurzer Belichtungszeit aufnahm, entgingen sie komplett.

Einen Krater unter der Landefähre gibt es aus zwei Gründen nicht: erstens, weil der Antriebsstrahl im Vakuum nicht nach unten geht, sondern nach allen Seiten gleichzeitig quasi explodiert. Und zweitens, weil nur die ersten zehn Zentimeter der Mondoberfläche aus losem Staub bestehen. Die hat es komplett weggeblasen, einen tieferen Krater, wie ihn die Verschwörungsfreaks gern sehen würden, kann es nicht geben. Und die Schatten? Die wirken wegen des unebenen Mondbodens so, als fielen sie nicht parallel. Oder es waren doch die Lampen im Fernsehstudio.