In seiner Weihnachtspredigt hat sich der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, gegen eine Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) ausgesprochen. "Es besteht die Gefahr eines Dammbruchs, wenn sich der Mensch zum Herrn über andere Menschen macht und bestimmt, welches Leben sich entwickeln darf und welches nicht", sagte Zollitsch. Denn wenn die Möglichkeit geschaffen werde, "Embryonen mit möglichen Behinderungen oder Anlagen zu möglichen Krankheiten durch Selektion auszuscheiden und zu töten, dann wird dies auch geschehen."

Bei der PID werden im Reagenzglas erzeugte Embryonen außerhalb des Mutterleibs auf Erbkrankheiten untersucht. So sollen Fehl- und Totgeburten oder die Geburt eines schwer kranken Kindes vermieden werden. Bislang ist die PID nicht eindeutig geregelt und galt daher lange Zeit als strafbar. Im Juli erlaubte der Bundesgerichtshof allerdings die Auswahl künstlich befruchteter Eizellen bei Paaren mit einer Veranlagung zu schweren Genschäden. Deswegen steht nun eine gesetzliche Regelung an, über die der Bundestag kontrovers diskutiert .

Zollitsch warnte in seiner Predigt, die Gesellschaft werde durch ein Verfahren wie die PID nicht glücklicher , sondern weniger menschlich. "Hier heißt es: Wehret den Anfängen!", sagte der Erzbischof. Denn hinter dieser Weltanschauung stehe eine "Vergötzung des Glücks". Deren Kehrseite sei "brutal: möglichst gesund, möglichst so, dass ich möglichst viel möglichst genussvoll erleben kann."

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Wer so denke, für den sei klar, dass missgebildeten Menschen ein glückloses Leben erspart werden müsse. "Wer entscheidet, welche Krankheit ein glückliches Leben verhindert?" fragte Zollitsch. "Das ist ein von der Diktatur des Glücks pervertierter Humanismus, der sich seiner selbst auch noch gewiss ist." Diese Haltung erschwere auch das Leben von Behinderten in der Gesellschaft. "Es entsteht ein - vielleicht auch nur unterschwelliger - Druck, Menschen mit Behinderungen oder Eigenheiten nicht mehr zu akzeptieren."

Auch der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich sprach sich gegen die PID aus. "Gott kennt uns, bevor wir geboren werden, und hält uns bis zu unserem letzten Atemzug in seinen Händen", sagte er in München in seiner Weihnachtspredigt. Das Leben beginne mit der Verschmelzung von Samen und Eizelle. Es sei ein Geschenk Gottes und keine Verfügungsmasse der Menschen. Daher könne es kein Recht auf ein gesundes Kind geben. Christen könnten nicht akzeptieren, wenn mit der Zulassung der PID ein Instrument geschaffen würde, "das erklärtermaßen das Ziel der Selektion" habe, sagte Friedrich.