Viele Millionen Jahre haben die Dinosaurier über die Erde geherrscht. Die letzten ihrer Art verschwanden vor etwa 65 Millionen Jahren von der Bildfläche. Paläontologen vermuten, dass Meteoriteneinschläge oder Vulkanausbrüche oder beides zusammen zum plötzlichen Verschwinden der Urzeitwesen in der Kreide geführt haben. Aber wie sind die ersten Dinosaurier überhaupt entstanden? Ein neuer Fund könnte den Forschern dabei helfen, das zu verstehen.

Im Nordosten Argentiniens entdeckten sie die Reste eines Raubsauriers, der vor 230 Millionen Jahren lebte. Die Fossilien aus Ischigualasto, die die Paläontologen aus dem Gestein hoben, werfen ein Licht auf die frühen Tage der Dinosaurier – eine Zeit, über die wir bis heute nur sehr wenig wissen.

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Eodromaeusmurphi war kleiner als zwei Meter und lief auf zwei Beinen. Er ähnelt dem Jäger der Morgenröte, dem Eoraptor. Dieser ist ein Zeitgenosse aus der Mittleren Trias, 1991 legten die Paläontologen im selben Gebiet die fossilen Überreste eines Exemplars frei. Doch zwischen den beiden gibt es auch Unterschiede, was Rückschlüsse auf die Evolution der Urzeitwesen zulässt. Eodromaeus ist demnach ein früher Vorfahre der Theropoden, also der zweibeinigen Fleischfresser zu denen auch Tyrannosaurus rex zählte. Davon sind zumindest die Paläontologen um Ricardo Martinez überzeugt. Ihre Ergebnisse haben sie im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht.

Lange Zeit gingen Forscher davon aus, dass T. Rex und Co dem Eoraptor nachfolgten. Das steht nun infrage, sagt Ricardo Martinez von der Nationalen Universität von San Juan in Argentinien. Eoraptor war wohl eher ein Vorfahre der Sauropoden – dazu zählen vorwiegend pflanzenfressende und teils langhalsige Dinosaurier.

Saurierfund - Forscher entdecken neue Saurierart Er rannte aufrecht und war keine zwei Meter lang. In Argentinien sind Archäologen auf die fossilen Überreste von "Eodromaeus" gestoßen, einem bislang unbekannten Raubsaurier

Die Forscher haben die Fossilien der beiden Exemplare miteinander verglichen und feine, aber entscheidende anatomische Unterschiede entdeckt. Theropoden haben eine typische Atemöffnung auf der Schnauze. Eodromaeus hat eine solche, Eoraptor jedoch nicht. Auch der andere Körpermerkmale von Eodromaeus unterstützten die These zur Abstammungslinie, etwa der Bau seines Beckens, der hinteren und vorderen Gliedmaßen. Eoraptor hätte zwar auch solche Merkmale, jedoch auch sehr sauropodenähnliche, darunter größere Nüstern und einen tiefer eingelassenen Zahn.

Es finden sich aber auch viele Gemeinsamkeiten. Sowohl Eodromaeus als auch Eoraptor waren kleiner als zwei Meter und auf zwei Beinen unterwegs. Martinez und sein Forscherteam vermuten daher, dass sich die verschiedenen Stämme der Dinosaurier (die Echsenbecken- und die Vogelbeckensaurier) zu Beginn ihrer Evolution in der Trias in ihrem grundlegenden Aufbau sehr ähnlich waren.

Die Spuren der ersten Dinosaurier zu finden, ist eine der größten Herausforderungen für die Paläontologen, da es bislang nur wenig unumstrittene Fossilienbelege gibt. Was diesen Fund anbelangt sind unbeteiligte Forscher auch geteilter Meinung. "Ich habe keinen Zweifel, dass Eodromaeus zu einer neuen Gruppe von Individuen gehört, einer sehr wichtigen aus einer kritischen Zeit in den Anfängen der Dinosaurier", sagt Mark Norell, ein Paläontologe des New Yorker Naturkundemuseums. Sein Kollege, Max Langer von der brasilianischen Universität Sao Paulo, widerspricht ihm: "Erst weitere Forschung durch unabhängige Teams muss das bewerten."