Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat an die deutsche Pharmaindustrie appelliert, den USA das für Hinrichtungen eingesetzte Betäubungsmittel Thiopental nicht zu liefern, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete. Das Ministerium hat auch ein Ausfuhrverbot geprüft, jedoch keine rechtliche Möglichkeit dafür gefunden.

Die deutsche Ärzteschaft begrüßt den Vorschlag: "Die deutsche Pharmaindustrie kann zeigen, dass sie ethisch handelt, wenn sie sich hier beteiligt", sagte der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, der Passauer Neuen Presse. Es gebe auch bereits Beschlüsse der American Medical Association ebenso wie deutscher Ärzte, nicht an Todesstrafen mitzuwirken.

Die USA haben seit mehreren Monaten Schwierigkeiten, das für Hinrichtungen genutzte Mittel zu produzieren. Da Thiopental in den USA bisher das einzige für Hinrichtungen zugelassene Mittel ist, musste bereits in mehreren Fällen die Vollstreckung der Todesstrafe aufgeschoben werden.

Thiopental ist einer von drei Bestandteilen des tödlichen Giftcocktails, den Todeskandidaten bei den durchschnittlich 55 Vollstreckungen im Jahr meist bekommen. Das Mittel wird per Injektion verabreicht, um den Todeskandidaten bewusstlos zu machen. Die anderen beiden Mittel lähmen den Körper und führen schließlich zum Herzstillstand.

Der einzige in den USA zugelassene Hersteller stellt den Stoff nicht mehr her. Das Unternehmen Hospira aus dem Bundesstaat Illinois wollte die Herstellung des Narkosemittels Thiopental eigentlich in Italien fortsetzen, nachdem ein Engpass die Produktion vorübergehend gestoppt hatte. Doch das EU-Land habe die Ausfuhr des Medikamentes in die USA verboten, weil es dort zu Hinrichtungen verwendet werde. In den USA hat Hospira nach eigenen Angaben seit 2009 keine Produktionsstätte mehr für Thiopental.

Die Knappheit des Mittels hatte im vergangenen Jahr bereits dazu geführt, dass in Oklahoma ein Mörder mit dem Tiernarkosemittel Pentobarbital hingerichtet wurde. Da jedoch nicht vorab getestet worden war, ob das Mittel zum Einschläfern von Tieren ebenso wirksam wie Thiopental ist, meldeten mehrere Rechtsexperten Bedenken an.

Die Todesstrafe wird in 35 US-Bundesstaaten verhängt. Fast alle davon richten ihre Häftlinge mit der Giftspritze hin.