ZEIT ONLINE: Frau Hinterhuber, Sie sind endlich wieder in Deutschland, nachdem sie zwei Tage am Flughafen in Kairo festsaßen. Was ist das für ein Gefühl?

Veronica Hinterhuber: Erst jetzt fühle ich mich wieder sicher – und total erschöpft. Noch am Flughafen war die Stimmung sehr angespannt. Es waren viele verzweifelte Leute dort: Kranke, Alte, Familien mit Kleinkindern. Keiner wusste wie und wann man rauskommt. Es gab Versorgungsschwierigkeiten, Streit und sogar Handgreiflichkeiten.

ZEIT ONLINE: Dennoch fiel Ihnen der Abschied schwer?


Hinterhuber: Natürlich. Als Ägyptologin schätze ich das Land und seine Kultur sehr. Mein Herz hängt an ihrer Bewahrung. Auch meine ägyptischen Kollegen liegen mir sehr am Herzen und ich habe sie nur ungern in solch einer Situation allein gelassen.

ZEIT ONLINE: Wann wussten Sie, dass Sie nicht mehr sicher sind?


Hinterhuber: Als ich auf dem Weg zur Arbeit in Kairo brennende Häuser gesehen habe, das Polizeiaufkommen und die Panzer. Vielen Ägyptern stand die Angst ins Gesicht geschrieben. Eigentlich hatte ich vor, im Ägyptischen Museum noch Objekte für meine Forschung zu besichtigen.

ZEIT ONLINE: Ansonsten waren Sie nicht direkt im Krisengebiet, sondern in Luxor, in Oberägypten...


Hinterhuber: Drei Monate war ich dort, um für meine Dissertation zu forschen. Das heutige Luxor ist das antike Theben, eine der wichtigsten Städte des alten Ägyptens. Die architektonischen Hinterlassenschaften zu besuchen war großartig. Auch wenn ich dieses Mal nicht an einer Grabung beteiligt war.

ZEIT ONLINE: Aber sie haben eine besucht...


Hinterhuber: Ich hatte die Erlaubnis vom ägyptischen Antikendienst, mir die Grabung von Richard Fazzini, einem Mitarbeiter des Brooklyn Museums in New York, im Bezirk der Göttin Mut anzusehen. Das war noch vor Ausbruch der Revolution.

ZEIT ONLINE: Hatten Sie nun noch mal Kontakt mit ihm?

Hinterhuber: Es ist sehr schwierig, die Leute zu erreichen. Die Internetverbindung funktioniert noch immer nicht und die Telefonverbindungen sind schlecht.