Bei nuklearen Zwischenfällen kann die Internationale Atomenergieagentur in Wien nicht sehr viel tun. Die aktuellen Probleme in Japan beweisen das: Die Unterorganisation der Vereinten Nationen hinkt mit ihren Berichten den Geschehnissen um Stunden hinterher. Die Atomwächter sind überwiegend auf das angewiesen, was Japan ihnen mitteilen will.

Das liegt an der Arbeitsweise der 1957 gegründeten Organisation mit inzwischen mehr als 150 Mitgliedsstaaten, die auf dem Grundsatz der Freiwilligkeit beruht. IAEA-Experten können zwar beispielsweise die Pläne einzelner Staaten für den nuklearen Notfall bewerten, müssen dafür aber von den Regierungen eingeladen werden. Die Ergebnisse bleiben dann meist geheim. 

"Nukleare Sicherheit liegt in der Verantwortung der Mitgliedsländer", sagte ein IAEA-Beamter. Die IAEA habe vielleicht eine moralische Autorität, aber keine juristisch bindende. Im Notfall könne sie sich um die internationalen Konsequenzen eines Unfalls kümmern, etwa um die Gesundheitsrisiken für die Menschen und um die Ausbreitung der radioaktiven Wolke: "Das können wir aber nur dann tun, wenn wir offizielle Informationen und Fakten bekommen."

© ZEIT ONLINE

Nukleare Zwischenfälle listet die Atomagentur in einer öffentlich zugänglichen Datenbank auf. Doch es liegt in der Entscheidung der Länder, ob und was sie überhaupt mitteilen. Japan meldete dort in der Nacht zum Samstag die Abschaltung mehrerer Reaktoren nach dem Erdbeben, erwähnte aber nicht explizit die Probleme mit dem Kühlsystem im Reaktorblock 1 von Fukushima-1. 

Im Vergleich aller Staaten mit Atomprogrammen habe Japan mit die höchsten nuklearen Sicherheitsstandards, sagte der IAEA-Beamte. Zu den Sicherheitsstandards gibt die IAEA zwar Empfehlungen ab, welche davon umgesetzt werden, ist aber wiederum Sache des einzelnen Staates.