In all den Jahrzehnten, in denen zahlreiche Raumsonden das Planetensystem durchkreuzten, war Merkur nur ein einziges Mal das Ziel: In den 1970er Jahren flog die US-Sonde Mariner 10 dreimal am sonnennächsten Planeten vorbei. Erstmals wurde eine geheimnisvolle Welt im Detail sichtbar, wenn auch nur 45 Prozent ihrer Oberfläche. Denn: Zu groß ist die Schwerkraft der Sonne, zu hoch die Strahlenbelastung und zu extrem sind die Temperaturunterschiede, mit denen ein Raumfahrzeug während seiner Mission fertig werden muss.

Selbst aus dem Erdorbit heraus sind die Beobachtungen äußerst schwierig und zudem riskant. So würde der Spiegel des Hubble-Weltraumteleskops erheblich beschädigt werden, wenn man ihn auf einen derart sonnennahen Bereich richten würde. Die Teilchen des Sonnenwindes könnten ihn ruinieren. Keine Welt steht denn auch derart unter dem Einfluss eines Sterns wie Merkur.

Mit einem Durchmesser von knapp 4880 Kilometer ist er der kleinste und mit einer Entfernung von rund 58 Millionen Kilometer sonnennächste Planet. Außerdem ist Merkur der schnellste Planet im Sonnensystem, benötigt er doch für einen Sonnenumlauf nur 88 Tage. Er geschieht auf einer sehr stark elliptischen Bahn, die die größte numerische Exzentrizität aufweist. So liegt der sonnennächste Punkt, das Perihel, bei 46 Millionen Kilometer, der sonnenfernste (Aphel) dagegen bei 69,8 Millionen Kilometer.

Bei der Erde sind es dagegen 147,1 und 152,1 Millionen Kilometer. Ebenso aus dem Rahmen fällt die Neigung seiner Bahnebene gegenüber der Erdbahnebene (Ekliptik): Mit über 7 Grad ist sie höher als die der anderen Planeten. Ähnliche Werte, was diese beiden Bahnelemente angeht, sind eigentlich typisch für Zwergplaneten wie Pluto oder Eris.

Wenn man Merkur mit kleineren Welten unseres Sonnensystems vergleichen will, dann am ehesten mit dem Mond. Schon die Mariner 10 -Fotos zeigen zahlreiche gemeinsame Oberflächenmerkmale. Zu den eindrucksvollsten zählen die Krater. Ihr raues, poröses dunkles Gestein reflektiert nur schwach das Sonnenlicht und färbt die Merkuroberfläche dunkler ein als die des Mondes. Wie einige Mondkrater sind die Merkurs von Strahlensystemen umgeben, die durch herausgeschleudertes Material erzeugt wurden.

Es stammt von Meteoriteneinschlägen, die wegen der fehlenden dichten Atmosphäre ungebremst erfolgen. Nur in Spuren vorhanden, führt sie auch zu extremen Temperaturschwankungen zwischen der Tag- und der Nachtseite. So wird der beschienene Teil des Planeten während des geringsten Sonnenabstands bis auf 427 Grad Celsius aufgeheizt, während die Nachttemperaturen bis auf -173 Grad sinken.