Nach einer rund 7,9 Milliarden Kilometer langen Reise ist das Raumvehikel Messenger in der Nacht zum Freitag in einen elliptischen Orbit um Merkur eingetreten. Die Sonde der US-Weltraumbehörde Nasa soll nun den innersten Planeten unseres Sonnensystems 12 Monate lang umrunden.

Messenger (zu Deutsch: Bote) nähert sich Merkur bis auf 200 Kilometer, zu anderen Zeitpunkten ist sie wiederum mehr als 15.000 Kilometer entfernt. Mit sieben verschiedenen Instrumenten sammelt die Sonde Daten über die Zusammensetzung der Atmosphäre und Oberfläche des Planeten. Die Forscher nutzen diese Daten unter anderem, um daraus eine Art Landkarte anzufertigen. Zudem sollen Daten über atmosphärische Gase und Mineralien auf der Planetenoberfläche gesammelt werden. Sie erhoffen sich unter anderem Informationen über das magnetische Feld des Planeten, über seinen Kern und darüber, ob es in den ständig im Schatten liegenden Kratern an den Polen Merkurs Wassereis gibt.

Die Raumsonde hatte die Reise zum Merkur im August 2004 von Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida aus angetreten. Dabei umkreiste Messenger etwa 15 Mal die Sonne, flog einmal an der Erde vorbei, zweimal an Venus und dreimal an Merkur. Die Manöver sollten ihre Geschwindigkeit drosseln, um sie schließlich in eine Umlaufbahn um den Planeten zu bringen. Kein leichtes Unterfangen, wie der Planetenforscher Tilman Spohn vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erklärt: "Die große Schwerkraft der Sonne machte es dem Raumfahrzeug schwer, sich vom kleinen Schwerefeld des Merkur einfangen zu lassen." Zudem müsse die Sonde extreme Temperaturunterschiede und eine sehr hohe Strahlenbelastung aushalten.

Merkur ist der Sonne am nächsten, die Sonnenstrahlung ist dort etwa zehn Mal so stark wie auf der Erde. "Der Merkur ist ein sehr extremer und ungewöhnlicher Planet", sagt Spohn. "Er funktioniert innen wie die Erde und scheint die Eigenschaften eines jungen, dynamischen Planeten zu haben, außen sieht er wie der nahezu inaktive, alte Mond aus – das ist ein Widerspruch, den wir gerne auflösen möchten."

Schon im Vorbeiflug hatte Messenger einen Teil der Merkur-Oberfläche kartografiert und viele atemberaubende Bilder zur Erde geschickt. Es waren die ersten detaillierteren Informationen über Merkur, seit die Nasa-Sonde Mariner 10 1974 und 1975 den Planeten passiert hatte. Aber das, so sagen Nasa-Forscher, waren nur "Probeaufführungen" im Vergleich zur Erkundungsmission von Messenger, die nun begonnen hat.

Mit Google Earth können Sie den 91 Millionen Kilometer weit entfernten Planeten Merkur virtuell erkunden. Die Weltraumbehörde Nasa stellt das Material zur Verfügung.