Ein teurer Verzicht für Deutschland: Hierzulande werden etwa in die Ausbildung eines Facharztes rund 400.000 Euro gesteckt. "Durch seine dauerhafte Auswanderung ins Ausland entgehen dem Staat zudem Einnahmen von zirka 600.000 Euro", rechnet Sabine Jung von der German Scholar Organization (GSO) vor. In dem Netzwerk organisieren sich ähnlich wie bei der Initiative GAIN (German Academic International Network) deutsche Hochqualifizierte, die ausgewandert sind.

Wie viele diesen Schritt insgesamt gegangen sind, wird nirgends erfasst. Schätzungen zufolge haben zuletzt jährlich rund 80.000 bis 100.000 deutsche Akademiker das Land verlassen; nicht alle gingen in die Forschung. Zum Vergleich: Nach einer im Mai veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung McKinsey fehlen bis 2025 in Deutschland bis zu 6,5 Millionen Arbeitskräfte, darunter rund 2,4 Millionen Akademiker.

Als Unterstützung bietet etwa der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD) bis zu sechs Monate lange Rückkehrstipendien. Für promovierte Wissenschaftler gibt es je nach Alter monatlich zwischen 1.365 und 1.518 Euro. Andere Möglichkeiten kommen von Stiftungen, Instituten und wissenschaftlichen Gesellschaften. Freyschmidt und Arnold beklagen jedoch: "Meist ist unklar, wie es nach der Erstförderung weiter geht."

Laut Jung gibt es im Wissenschaftsbetrieb eine ganze Reihe guter Maßnahmen, um auf die Abwanderung kluger Köpfe zu reagieren. "Die deutsche Wirtschaft dagegen hat dem Thema bislang zu wenig Beachtung geschenkt. Die Zielgruppe des ausgewanderten Deutschen ist ein von den meisten Unternehmen bislang vernachlässigter Talentpool."

Und der Bundespräsident? Christian Wulff sagt: "Wir müssen es auch schaffen, unserem wissenschaftlichen Nachwuchs hier eine Perspektive zu bieten – auch denen, die eine Zeit lang ins Ausland gegangen sind." Interessant sei, dass die meisten Wünsche nur wenig oder gar kein zusätzliches Geld kosten würden. "Ich hoffe, dass wir zu vielen von Ihnen bald sagen können: "Willkommen zurück!"