Seit dem 14. Juli ist die Seite www.drhawass.com eingefroren: Keine neuen Nachrichten mehr vom obersten Chef der ägyptischen Altertümer. Einen Tag später, am Freitag vergangener Woche, wurde Kulturminister Zahi Hawass von der Kairoer Übergangsregierung entlassen. Das war dem umtriebigen Archäologen und langjährigen Generalsekretär der Altertumsverwaltung kurzzeitig schon einmal widerfahren: Ende Januar war er noch von Mubarak zum Minister für Altertümer ernannt worden. Mitte Februar gab es lautstarke Proteste von Mitarbeitern und Studierenden gegen Hawass. Sie warfen ihm Amtsmissbrauch und Korruption vor. Anfang März wurde er entlassen, Ende März wieder zum Minister ernannt.

Doch diesmal scheint es wirklich nicht weiterzugehen für Zahi Hawass. Dem "Mubarak der ägyptischen Archäologie" , wie ihn seine Gegner nennen, ist die Nähe zum alten Regime offenbar zum Verhängnis geworden. Doch auch sein designierter Nachfolger im Ministeramt, Abdulfattah al-Banna, hat das Feld schon wieder geräumt. Ägyptische Archäologen hatten seine Kompetenz öffentlich infrage gestellt.

Mit Zahi Hawass verlässt eine der schillerndsten Persönlichkeiten der ägyptischen Archäologie und Politik die Bühne, auf der er in vielen Rollen agierte. Mit ledernem Schlapphut trat er gerne als Abenteuer liebender Indiana Jones auf, dann wieder als Rächer der Pharaonen oder als Gralshüter des kulturellen Erbes. Dabei war Konfrontation eher sein Mittel als Diplomatie – etwa bei der medienwirksamen Rückforderung der Nofretete . Die angekündigten Beweise, dass es bei der Fundteilung mit deutschen Archäologen seinerzeit nicht mit rechten Dingen zugegangen sei, hat Hawass allerdings nie vorgelegt. Ähnlich agierte er in vielen Fällen, auf große Ankündigungen folgte selten ein entsprechendes Ergebnis.

Dietrich Wildung, ehemaliger Direktor des Ägyptischen Museums in Berlin , jedoch bedauert Hawass’ Abberufung: "In der gegenwärtigen Situation wären ein wenig mehr Stabilität und Kontinuität – und warum nicht unter Zahi Hawass – wünschenswert, um ein weiteres Chaos zu verhindern", sagte Wildung am Dienstag auf Anfrage dem Tagesspiegel .

Der Ägyptenexperte plädiert für eine differenzierte Sicht auf Hawass: "Bei uns wurde er ja immer nur als der Mann mit dem großen Hut gesehen, der große Reden schwingt." Zweifellos aber habe Hawass das Bewusstsein der Ägypter für ihre glanzvolle Vergangenheit gestärkt. Seine One-Man-Shows in den internationalen Medien, seine wöchentlichen Zeitungskolumnen und seine permanente TV-Präsenz machten ihn zum bekanntesten Gesicht in Ägypten nach Hosni Mubarak.

Ebenso unbestritten hat Zahi Hawass den archäologischen Selbstbedienungsladen Ägypten geschlossen und den Wert der Antiken in die Höhe geschraubt. Und als Erfolg kann der Antikenchef die vielen Tausend Kunstwerke verbuchen, die er aus Museen weltweit nach Ägypten zurückgeholt hat, weil sie tatsächlich gestohlen waren.