Russische Medien spekulieren, ob am Freitag die Trümmer eines Satelliten in der Großstadt Moskau einschlagen könnten. Das meldete die Nachrichtenagentur dpa vergangene Woche lapidar . Berechtigte Sorge oder eher unbegründete Angst? Der potenzielle Übeltäter heißt UARS (Upper Atmosphere Research Satellite) und ist ein inaktiver Forschungssputnik der amerikanischen Weltraumagentur Nasa. Das schulbusgroße Ungetüm mit einem Gewicht von gut 5,6 Tonnen wird nach neuen Berechnungen wohl am Freitagnachmittag (US-Ostküstenzeit) in die Erdatmosphäre eintreten und dort verglühen – allerdings nicht komplett. Exakt 26 herabstürzende Trümmer könnten übrig bleiben. Ob sie jedoch größere Schäden anrichten, ist fraglich.

Zwar können Nasa-Wissenschaftler noch immer nicht genau angeben, wo und wann UARS in die Atmosphäre eintreten wird. Auch wo die Bruchstücke aufschlagen werden, wissen sie nicht genau. Erst 20 Minuten vor dem Einschlag ließe sich der Ort bestimmen. Doch da 90 Prozent der Erdoberfläche unbewohnt seien, liege die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen von den Bruchstücken getroffen werden, bei lediglich 0,03 Prozent. Damit gilt der Koloss aus dem All, 1991 von der Raumfähre Discovery im Orbit ausgesetzt, offiziell nicht einmal als "Risiko-Objekt".

Die 26 Teile, denen die Hitze beim Eintritt in die Atmosphäre nichts anhaben wird, werden wohl zusammen ein Gewicht von 532 Kilogramm haben. Das berechnete die Nasa bereits 2002 . Sie sind alles, was von dem zehn Meter langen Forschungssatelliten übrig bleibt.

Fast entschuldigend heißt es in der Risikoanalyse der Nasa: Als UARS entworfen, gebaut und ins All geschickt wurde, existierten keinerlei Opferrisikogrenzen. Mittlerweile bemühe man sich zusammen mit ausländischen Weltraumbehörden darum, dass die Wahrscheinlichkeit für einen tödlichen Zwischenfall durch herabstürzende Satellitenteile auf weniger als 0,01 Prozent sinkt.

Größte Gefahr durch Weltraumschrott im Orbit selbst

Verrechnet hat sich die Weltraumagentur hingegen gehörig, was das ursprünglich anvisierte Absturzdatum angeht. Dass UARS letztlich in Teilen auf der Erde einschlagen würde, war nur ein Frage der Zeit. Allerdings erwarteten Experten die Schrott-Überreste nicht vor Jahresende auf der Erde zurück. Schon 2005 hatte er seine Umlaufbahn verlassen, schon lange ist ihm der Sprit ausgegangen. Auf seiner Mission sammelte UARS in rund 600 Kilometern Höhe Daten zu Ozonwerten, der Sonnenenergie sowie zu Winden und Temperaturen in der Stratosphäre.

Der Nasa-Spezialist für Weltraumschrott, Mark Matney, sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass im Schnitt einmal pro Jahr ein Flugobjekt von der Größe des UARS auf die Erde stürze. Das bisher größte dieser Art war demnach die sowjetische Raumstation Saljut 7, deren Bruchstücke 1991 auf eine Stadt in Argentinien fielen, ohne dass Menschen getroffen wurden. In den vergangenen 50 Jahren registrierten Weltraumbehörden durchschnittlich etwa ein Stück Weltraumschrott pro Tag, dass auf der Erde einschlug. Diese Teile landen meist im Ozean oder in kaum besiedelten Gebieten der kanadischen Tundra, des australischen Outbacks oder Sibiriens. Niemals sei es dabei zu ernsthaften Verletzungen oder Schäden gekommen.

Die größte Gefahr durch Weltraumschrott besteht nach wie vor in der Erdumlaufbahn. Dort geraten nicht nur die schätzungsweise rund 800 kommerziellen und militärischen Satelliten in ein wahres Trümmerfeld aus explodierten Raketen, Raketenstufen und inaktiven Satelliten. Auch die internationale Raumstation ISS ist bedroht. Zuletzt musste sie im Juni kurzzeitig evakuiert werden , als sich ein Trümmerteil näherte. Nach Schätzungen umkreisen mehr als 100.000 dieser Bruchstücke die Erde, wobei die meisten nicht größer sind als Kieselsteine. Zwischen 12.500 und 18.000 Schrottteile werden von den Weltraumbehörden beobachtet. Sie rasen mit rund 28.000 Kilometer pro Stunde um die Erde.