Würde der europäische Satellit Rosat schon in der Atmosphäre verglühen? Oder könnte ein Teil von ihm auf der Erde aufschlagen? Und wenn ja, wo? All diese Fragen konnten Forscher in der vergangenen Woche nicht beantworten. Nun meldet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), dass Rosat über dem Golf von Bengalen in die Erdatmosphäre eingetaucht ist. Der Eintritt über dem Meer zwischen Indien und Thailand erfolgte demnach am Sonntagmorgen um 3.50 Uhr. Ob Teile des 2,5 Tonnen schweren Satelliten die Meeresoberfläche erreicht haben, sei nicht bekannt. Ein Großteil des Satelliten könnte verglüht sein.

Der Absturzort sei auf Basis von Daten internationaler Partneragenturen, vor allem aus den USA, berechnet worden. Zuvor war über die geringe Wahrscheinlichkeit spekuliert worden, übrig gebliebene Teile des Satelliten könnten gar über bewohntem Gebiet niedergehen. Dabei tritt Weltraumschrott praktisch jede Woche in die Erdatmosphäre ein. In den vergangenen Jahren waren es jeweils etwa 60 bis 80 Tonnen. In den seltensten Fällen wurden Trümmer auf der Erde ausgemacht, teilte das DLR mit. Da 90 Prozent der Erdoberfläche unbewohnt seien, liege die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen von den Bruchstücken getroffen werden, bei lediglich 0,03 Prozent, heißt es bei der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa.

"Mit dem erfolgten Wiedereintritt von Rosat findet nun eine der erfolgreichsten wissenschaftlichen Raumfahrtmissionen Deutschlands ihren endgültigen Abschluss", sagte der DLR-Vorstandsvorsitzende Johann-Dietrich Wörner. Die US-deutsch-britische Mission gilt unter Wissenschaftlern als großer Erfolg. Mehr als 4.000 Wissenschaftler aus 24 Ländern waren an Messungen beteiligt.

Rosat war am 1. Juni 1990 ins Weltall gestartet, um den Himmel mit einem Teleskop auf Quellen von Röntgenstrahlen abzusuchen. Von der Erde aus ist dies nicht möglich, da die Erdatmosphäre Röntgenstrahlen absorbiert. Von seiner elliptischen Umlaufbahn in 585 bis 565 Kilometern Höhe lieferte der Satellit 1990 das erste Röntgenbild vom Mond, schickte Aufnahmen der Andromeda-Galaxie zur Erde und fing erstmals Röntgenstrahlen von Kometen ein. In seinen neun Dienstjahren registrierte der Satellit etwa 80.000 kosmische Röntgenquellen im Weltraum. 

Seit dem Missionsende 1999 verlor der Röntgensatellit aber durch Reibung kontinuierlich an Höhe, bis er am Sonntagmorgen wieder in die Erdatmosphäre eintauchte. Der Absturz konnte nicht gesteuert werden, weil der Satellit kein Triebwerk an Bord hatte.