Es scheint, als liegen zwei Galaxien im Clinch. Und tatsächlich prallen in rund 70 Millionen Lichtjahren Entfernung zwei Welteninseln aufeinander. Das geschieht jedoch nicht wie bei einem Unfall im Straßenverkehr innerhalb weniger Minuten, sondern in Milliarden Jahren. Es ist keine Kollision der in ihnen befindlichen Milliarden Sterne, sondern ein langsames Durchdringen. Aber die in Galaxien enthaltenen Gas- und Staubwolken verdichten sich und die Sternentstehungsrate steigt.

Genau dieses Material aus kaltem, dichten Gas bleibt herkömmlichen Teleskopen verborgen. Dagegen wird es in Radioteleskopen sichtbar, und zwar umso detaillierter je größer und empfindlicher dieser Fernrohrtyp ist. Das gerade in Betrieb genommene Radioteleskop Alma (Atacama Large Millimeter/submillimeter Array) erfüllt diese Bedingungen hervorragend. Ihr erstes veröffentlichtes Bild von den Antennen-Galaxien NGC 4038 und NGC 4039 im Sternbild Rabe zeigt es. Grund für die Wahl als Testobjekt sei den Alma-Wissenschaftlern zufolge gewesen, dass Galaxien-Kollisionen zu den spektakulärsten Ereignissen im Universum gehören.

Es ist nur der Anfang eines Forschungsunternehmens, in dessen Verlauf Tausende Wissenschaftler aus aller Welt hoffen, als erste einige der dunkelsten, kältesten, am weitesten entfernten und am besten verborgenen Geheimnisse des Kosmos zu ergründen: etwa wie aus dichten Wolken von interstellarem Gas und Staub neue Sterne entstehen oder wie die Objekte im frühen Universum kurz nach dem Urknall (vor rund 13,7 Milliarden Jahren) sich verhielten. Das fast fertig gestellte Alma-Radioteleskopfeld oder –array bietet dazu die besten Voraussetzungen, denn es ist ein Instrument der Superlative.

Spezial-LKW rücken die Antennen zurecht

Auf der Hochebene von Chajnantor, 5.000 Meter über dem Meeresspiegel, in den chilenischen Anden gelegen, haben die Europäische Südsternwarte (Eso) und die National Science Foundation (NSF) der USA seit 2003 ein rund zehn Quadratkilometer großes Antennenfeld errichtet. Japan, Kanada, Taiwan und natürlich Chile als Gastgeberland sind daran beteiligt. Chiles Regierung hat den Alma-Betreibern das Areal auf fünfzig Jahre überlassen und bekommt dafür zehn Prozent der Beobachtungszeit. Sechsundsechzig parabolförmige Einzelantennen soll Alma im Endausbau umfassen, von denen zur Zeit ein Drittel arbeitet. Der Clou des Ganzen: Der Abstand zwischen den Einzelantennen mit einem Durchmesser von rund zwölf Metern kann variiert werden. Das erhöht die Leistungsfähigkeit des Feldes. Zurzeit beträgt der größte realisierbare Abstand zwischen den Einzelantennen 125 Meter, geplant sind jedoch bis an die 16 Kilometer. So lassen sich riesige Aufnahmen generieren, die aus einzelnen Bildern von Antennen aus verschiedenen Blickwinkeln heraus geschossen werden sollen.

Das Verschieben der Antennen, das die Anlage wie die Zoomlinse eines Fotoapparates wirken lässt, leisten Spezial-LKW. Ihre Fahrer müssen wegen der extremen Höhenlage während der Arbeit eine spezielle Sauerstoffversorgung bekommen. Auch ein Grund, weshalb das Datenkontroll-, -sammel- und -verarbeitungszentrum, das Alma Operations Support Facility, in nur 2.900 Meter Höhe liegt.