Der weltweit operierende Chemiekonzern BASF hat bei der Europäischen Union die Zulassung einer gentechnisch veränderten Kartoffel für die Herstellung von Pommes Frites und Chips beantragt. Das Unternehmen rechne mit einer Markteinführung der Sorte Fortuna im Zeitraum 2014/2015, teilte BASF mit. Ein Sprecher von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) sagte, das Zulassungsverfahren könne Jahre dauern.

BASF forscht nach eigenen Angaben seit 2003 an einer Speisekartoffel, die resistent gegen die Kartoffelkrankheiten Kraut- und Knollenfäule ist. Die Fortuna sei sechs Jahre in Feldversuchen getestet worden und besitze "den natürlichen Schutz einer Wildkartoffel" gegen die Krankheiten, hieß es von BASF.

In Deutschland sei von dem BASF-Antrag nichts bekannt, sagte Aigners Sprecher. Ein solcher Antrag könne aber in jedem Mitgliedsland der EU gestellt worden sein. Bevor ein Antrag genehmigt wird, müsse er zunächst durch die EU-Kommission und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geprüft werden. Von dort gehe er wieder an die Mitgliedsstaaten und die Kommission.

Lebensmittelhersteller lehnen Gentechnik ab

Die Gentechnik-Expertin von Greenpeace, Stephanie Töwe, sagte die Mehrheit der europäischen Verbraucher lehne Gentechnik im Essen nach wie vor ab. Und wie eine Umfrage im vergangenen Jahr gezeigt habe, täten dies auch die meisten Unternehmen. BASF solle daher "die Finger davon lassen, Grundnahrungsmittel gentechnisch verändert herzustellen", forderte sie.

Große Pommes- und Chipshersteller sowie Fastfoodketten hatten 2010 auf Anfrage von Greenpeace mehrheitlich erklärt, sie lehnten gentechnisch veränderte Kartoffeln ab. Funny-frisch, Chio, Chipsletten und Lay's erklärten, sie würden aktuell und künftig keine Chips aus solchen herstellen oder verkaufen. Dem schlossen sich Burger King, Tank&Rast, Nordsee und Agrarfrost an. Der Pringles-Hersteller Procter&Gamble sowie McDonald's wollten sich für die Zukunft nicht festlegen.

Fortuna ist die dritte gentechnisch veränderte Kartoffel, für die BASF eine Zulassung beantragt. Da nach Angaben von Greenpeace-Expertin Töwe eine Verunreinigung niemals ausgeschlossen werden kann, stellen die Firmen eine Zulassung für gentechnisch veränderte Pflanzen stets für die Nutzung als Futter- und als Lebensmittel.

Die BASF-Sorte Amflora war im vergangenen Jahr nach einem 13-jährigen Verfahren für die Produktion von Industrie-Stärke zugelassen worden. In diesem Jahr wurde die Sorte – auch wegen starker Proteste – in Deutschland und Schweden lediglich auf zwei Hektar angebaut. 2010 reichte BASF auch die Zulassung für die Kartoffelsorte Amadea ein. Auch sie soll vor allem Stärke liefern.

Gegen die Kartoffelkrankheiten Kraut- und Knollenfäule könnten Landwirte auch mit neuen Züchtungen und modernen Anbaumethoden vorgehen, sagte Greenpeace-Expertin Töwe. "Aus unserer Sicht sollte BASF lieber hier Forschungsgelder investieren."