Der Röntgensatellit Rosat kehrt zur Erde zurück. Seit zwölf Jahren dreht der Blechkamerad ohne Steuerung seine Runden im All. Das ist zunächst kein Grund zur Besorgnis, Rosat ist beileibe nicht der einzige Schrotthaufen im Orbit . Doch er verliert zunehmend an Höhe, voraussichtlich zwischen dem 21. und dem 27. Oktober wird er auf der Erde einschlagen . Wo genau, das lässt sich nicht vorhersagen. Nicht einmal wenige Minuten vor dem Aufprall.

Schaut man sich die Erdoberfläche genauer an, wird rasch klar: Es ist viel wahrscheinlicher, dass er irgendwo in der Landschaft oder im Meer einschlägt als in bewohntem Gebiet. Das Risiko, dass ein Trümmer einen Menschen trifft, beträgt 1 zu 2.500, haben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ausgerechnet. Die Gefahr ist sehr klein , aber eben doch vorhanden.

Acht Jahre erfasste der Satellit Röntgenstrahlung aus dem All

Die Geschichte von Rosat war zunächst eine echte Erfolgsstory: Im Juni 1990 wurde das deutsch-britisch-amerikanische Gemeinschaftswerk ins All geschossen, um dort systematisch nach Quellen für Röntgenstrahlung zu suchen. 18 Monate sollte die eigentliche Mission dauern, doch die Teleskoptechnik hielt fast acht Jahre durch und zeigte den Astronomen mehr als 100.000 bislang unbekannte Röntgenquellen im Kosmos. Insgesamt schwirrte der Satellit gut 20 Jahre durchs All.

Rosat hat aber auch das Leben vieler Brillenträger vereinfacht. "Die Gleitsichtbrille ist ein 'Abfallprodukt' der Entwicklung des Satelliten", sagte Johann-Dietrich Wörner, Chef des DLR, kürzlich vor Journalisten. Das Schleifverfahren für den Spiegel wurde in der Augenoptik übernommen.

Genau dieser Spiegel wird nun zum Problem. Er besteht aus Zerodur , einer extrem robusten Glaskeramik. Sie ist hitzebeständig, so dass ihr der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre nur wenig anhaben kann. Im schlimmsten Fall, könnte ein 1,6 Tonnen schweres Einzelteil auf der Erde einschlagen, zeigen Simulationen. Vielleicht verglüht aber auch mehr von dem insgesamt 2,5 Tonnen schweren Satelliten. Die Forscher wissen es nicht genau. "Während heute beim Satellitenbau auch schon an das Ende der Mission gedacht wird und umfangreiche Tests dazu gemacht werden, war das früher kaum üblich", sagt Manuel Metz, Fachmann für Wiedereintritte beim DLR.

Die Simulationen für Rosat sind mit großen Unsicherheiten behaftet, weil eben viele Tests nicht gemacht wurden, das aerodynamische Verhalten unklar ist. Keiner weiß, ob und in wie viele Teile der Satellit zerrissen wird. Bis zu 30 könnten es sein. Ebenso bleibt unklar, wie stark die Trümmer von der Atmosphäre gebremst werden, das heißt: zu welchem Zeitpunkt und wo sie aufschlagen. Selbst einen Tag vor dem Wiedereintritt beträgt die Unsicherheit der Einschlagsprognose noch rund zehn Stunden.

Bedenkt man, dass Rosat für eine Erdumrundung 90 Minuten braucht, kann man sich ausrechnen, wie groß der potenzielle Absturzkorridor ist. Da sich die Erde unter dem Satelliten hinwegdreht, beschreibt er bei jedem Umlauf eine andere Route auf dem Globus. Die Gefahrenzone gleicht damit einem Zehntausende Kilometer langen Band, das sich schleifenförmig mehrfach um die Erde wickelt.