Die Sache mit den Elementarteilchen ist manchmal etwas verwirrend. Heute haben Teilchenphysiker am Forschungszentrum Cern in Genf verkündet , dass sie in ihrem Beschleuniger LHC Spuren des lange gesuchten Higgs-Teilchens gefunden haben. Aber war da nicht vor ein paar Monaten eine ähnliche Sensationsmeldung ? Und hatte das Fermilab nicht schon im Jahr 2007 Spuren des Higgs-Teilchens entdeckt ? Und vor vielen Jahren schon mal das Cern ?

Das ist das Schöne an der Teilchenphysik: Man kann nie zu 100 Prozent sicher sein. Die früheren Anzeichen waren jeweils ein Fehlalarm. Bei den Unmengen an Messdaten, die in einem Beschleuniger anfallen, kann das schon mal passieren. Auch diesmal sind die Physiker vorsichtig und sprechen noch nicht von einer Entdeckung. Was genau haben Sie gesehen? Sechs Antworten:

Ist das jetzt der Durchbruch?

Noch nicht. Die auffälligen Spuren, die Physiker in den vergangenen Wochen am Forschungszentrum Cern gemessen haben, könnten zwar von einem neuen Typ Elementarteilchen verursacht worden sein, dem lange gesuchten Higgs-Boson . Ebenso könnte es sich aber um einen Fehlalarm handeln. Elementarteilchen werden eben nicht wie neue Sterne entdeckt, die man mit einem Teleskop fotografieren kann, sondern eher wie Verbrecher, denen man anhand kleinster Spuren auf die Schliche kommt. Die Physiker haben sich darauf geeinigt, erst dann von einer "Entdeckung" zu sprechen, wenn sie sich zu 99,9999 Prozent sicher sind, dass es kein Fehlalarm ist. Und so weit sind sie noch nicht. Allerdings haben die zwei großen Detektoren des Genfer Teilchenbeschleunigers LHC unabhängig voneinander verräterische Spuren entdeckt – sozusagen von Tätern mit demselben Fingerabdruck. Daher herrscht jetzt Optimismus. "Wir hatten ein tolles Jahr mit dem LHC", sagt der Karlsruher Physiker Thomas Müller, der einen der beiden Detektoren mit konstruiert hat, "aber wir haben das Higgs noch nicht."

Wann ist es endlich so weit?

Der LHC macht jetzt erst mal Winterpause. Im kommenden März wird er wieder in Betrieb gehen und fleißig Atomkerne aufeinanderschießen (rund 900 Billionen Kollisionen hat er bislang produziert). Wenn das Higgs-Teilchen – so, wie man es jetzt im Verdacht hat – wirklich existiert, dann werden bei diesen Kollisionen weitere Exemplare auftauchen. Im Laufe des Jahres wird die statistische Sicherheit ausreichen, um die Existenz des Teilchens zu proklamieren – oder auszuschließen.

Und wenn es wirklich existiert?

Dann wird gefeiert, und vielleicht bekommt neben dem Schotten Peter Higgs – der das Teilchen theoretisch vorhergesagt hat, weshalb es nach ihm benannt wurde – auch das Cern den Nobelpreis, stellvertretend für ein paar Tausend Physiker. Doch die Freude wäre getrübt! Einerseits ist das Higgs-Teilchen das letzte noch fehlende Puzzlestück im Weltbild der Teilchenphysik. Andererseits könnte es am Ende einfach zu gut in dieses Paradigma – das "Standardmodell" – passen. Viel lieber würden die Physiker mit ihrem Beschleuniger einen Paradigmenwechsel verursachen, mit einer Riesenüberraschung.