Unter den Planeten, die bisher außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt wurden, waren schon häufiger solche, die man als erdähnlich bezeichnen könnte. Sie waren zumindest aus festem Gestein und nicht reine Gasriesen: Das ist nur eine der vielen Voraussetzung, damit auf solchen Himmelskörpern – zumindest theoretisch – Leben, wie wir es kennen, möglich wäre.

Jetzt haben Astronomen Daten über einen Exoplaneten ausgewertet, die das Weltraumteleskop Kepler zur Erde geschickt hat. Zwar wissen sie noch nicht, ob dieser Planet fest oder gasförmig ist. Aber er erfüllt erstaunlich viele andere Voraussetzungen, sodass Leben auf ihm denkbar wäre: Der Planet Kepler-22b umkreise in einer Entfernung von 600 Lichtjahren einen sonnenähnlichen Stern, gab die US-Raumfahrtbehörde Nasa auf einer Konferenz am Montag bekannt. Der Planet liegt in einer bewohnbaren Zone, die Forscher können aber nicht sagen, ob dort tatsächlich Leben existiert. Der Planet ist 2,4 Mal so groß wie die Erde und benötigt für eine Umrundung seines Sterns 290 Tage.

Kepler-22b wurde erstmals im Jahr 2009 erspäht. Der Himmelskörper gilt nun als bestätigt, weil Astronomen ihn drei Mal dabei beobachteten, wie er vor seinem Stern entlang zog. Nasa-Forschern zufolge hat der Planet die richtige Entfernung zu seinem Stern, um theoretisch die Bedingungen für Leben zu erfüllen: Auf dem Planeten herrschen demnach milde 22 Grad Celsius. Wasser wäre dort flüssig, sofern es existiert. Flüssiges Wasser an der Oberfläche sowie eine geeignete Temperatur und Atmosphäre sind die Voraussetzungen für Leben, wie es auf der Erde existiert.

"Diese Entdeckung stützt die wachsende Überzeugung, dass wir in einem Universum leben, in dem es vor Leben wimmelt", sagte einer der Nasa-Forscher aus dem Entdeckerteam, Alan Boss von der Carnegie Institution.

Das Weltraumteleskop Kepler sucht seit März 2009 mit der größten Kamera, die jemals in den Weltraum gebracht wurde, nach einer zweiten Erde im All. Die nach dem deutschen Astronomen Johannes Kepler benannte Sonde kann mit ihrer 95-Megapixel-Kamera den leichten Dimmer-Effekt erfassen, der entsteht, wenn ein Planet von der Erde aus gesehen vor seinem Stern vorbeizieht.

In den vergangenen Jahren haben Planetenjäger bereits mehr als 700 Planeten anderer Sterne aufgespürt. Fast alle Exoplaneten, die bisher entdeckt wurden, sind viel größer als die Erde und bieten keine Bedingungen, unter denen Leben möglich wäre. Die meisten von ihnen sind, wie der Jupiter, Gasriesen und umkreisen ihre Sonnen in geringem Abstand.

Doch einige wenige potenziell erdähnliche Planeten wurden auch in oder am Rande der bewohnbaren Zonen ihrer Heimatsterne gefunden. Im Mai hatten französische Astronomen den Planeten Gliese 581d als möglichen Kandidaten bestätigt, Schweizer Forscher wollen im August den 36 Lichtjahre entfernten HD 85512 b in einer bewohnbaren Zone im All lokalisiert haben.