Nach dem Austritt radioaktiven Wassers und einem Brand im Atomkraftwerk Penly in Nordwestfrankreich bleibt der Reaktorblock Zwei vorerst abgeschaltet. Zunächst müsse eine Fehlerdiagnose angestellt werden, um herauszufinden, weshalb eine Pumpe im Kühlkreislauf des Akw ausgefallen sei, sagte der Chef des Anlage Penly, Laurent Lacroix.

Das Atomkraftwerk in der Normandie war am Donnerstag automatisch abgeschaltet worden, nachdem die Pumpe ausfiel. Die Feuerwehr musste anrücken, um an zwei Stellen brennende Ölpfützen im Reaktorgebäude des Blocks Zwei der Atomanlage zu löschen. Eine Sprecherin der französischen Atomaufsichtsbehörde ASN erklärte, die Pfützen seien "ein paar Dutzend Quadratzentimeter groß" gewesen. Das Feuer sei "rasch unter Kontrolle" gebracht worden.

Erst später hatte der Betreiber, der Stromkonzern EDF, mitgeteilt, dass auch radioaktives Wasser ausgetreten sei. In den frühen Morgenstunden des Freitags konnte das Leck nach Angaben des Unternehmens aber beseitigt werden. Das radioaktive Wasser, das an der Dichtung der Pumpe im Primärkreislauf zur Kühlung des Reaktors ausgetreten war, blieb demnach innerhalb der Anlage. Es sei in für solche Fälle vorgesehenen Behältern aufgefangen worden, hieß es.

Behörde stuft Vorfall als "Störung" ein

Der Stromkonzern versicherte, dass es "keine Auswirkungen auf die Umwelt" gegeben habe und die Kühlung des Reaktors durch den Vorfall nicht gestört worden sei. Die Atomaufsichtsbehörde ASN wollte am Freitag die Situation vor Ort überprüfen. Vorläufig hat die Behörde den Vorfall als "Störung" eingestuft: Auf der weltweit gültigen Ereignisskala INES wurde er auf der zweitniedrigsten Stufe 1 eingeordnet. Der höchste Wert wäre Stufe 7. "Störungen" der Stufe 1 sind Zwischenfälle, die zu einer Abweichung von den zulässigen Bereichen im sicheren Betrieb der Anlage führen.

Industrieminister Eric Besson sprach von einem "kleineren Zwischenfall", der keine "besondere Besorgnis" auslösen müsse. Solche Vorfälle gebe es in industriellen Anlagen häufiger. Grünen-Chefin Cécile Duflot bezeichnete die Panne hingegen als einen "sehr ernsthaften Vorfall". Sie hielt Betreibern und Regierung vor, die Bevölkerung nicht ausreichend zu informieren: "Es wird immer gesagt: Das ist nicht schlimm, es ist nie schlimm."

Greenpeace spricht von "Geheimhaltung"

Yannick Rousselet von der Umweltorganisation Greenpeace forderte die Kontrolle "aller Pumpen" in französischen Atomkraftwerken. Er hielt dem Stromkonzern EDF eine "Geheimhaltungspolitik" vor. EDF hatte am Donnerstag zunächst nur von einer Rauchentwicklung in dem Akw gesprochen.

Das Atomkraftwerk Penly besteht aus zwei Reaktorblöcken. Daneben ist auch ein neuer EPR-Druckwasserreaktor geplant. Frankreich bezieht vier Fünftel seines Stroms aus Atomkraftwerken und hält auch nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima an der

fest.

Im Akw Saint-Laurent-des-Eaux im zentralfranzösischen Departement Loir-et-Cher kam es am Donnerstag ebenfalls zur Abschaltung eines der beiden Reaktoren. Dort war laut EDF ein Wassersensor gestört. Es handele sich um ein "kleineres Problem", der Reaktor solle am Freitag wieder hochgefahren werden.

Erst im September war in der südfranzösischen Atomanlage Marcoule ein Ofen in einer Verbrennungsanlage explodiert. Dabei war ein Arbeiter ums Leben gekommen, vier weitere wurden verletzt.