Auf Asteroiden nach Platin schürfen – Seite 1

Der Grund für die Ortswahl ist offensichtlich: In einer Halle des Museum of Lights in Seattle steht eine Caproni Ca 20, das erste einflügelige Kampfflugzeug, in der nächsten die erste jemals geflogene Boeing 747. In dem Luftfahrtmuseum verkündet am Dienstagabend das Unternehmen Planetary Resources eine weitere Pioniertat: Die Firma will Rohstoffe wie Gold oder Platin von Asteroiden abbauen.

Die Idee hört sich verrückt an, aber die Pläne von Planetary Resources sind weniger überdreht, als man denkt. Hinter dem zwei Jahre alten Unternehmen stecken Peter Diamandis und Eric Anderson. Beide kennen sich in der Weltraumfahrt aus. Anderson gründete Space Adventures, das zahlreiche Millionäre für zehn Tage zur internationalen Weltraumstation beförderte.

Diamandis erdachte 1996 den berühmten X-Prize: Wer zuerst einen privaten und bemannten suborbitalen Raumflug schafft, erhält zehn Millionen Dollar. Das Ziel erreichte das Space Ship One 2004. "Ganz ehrlich – ich glaube nicht, dass es eine verrückte Idee ist", schreibt Phil Plait, ein früherer Astronom, der das Hubble-Teleskop mitentwickelte, in seinem sonst sehr skeptischen Blog "Bad Astronomy". 

Ein Billionen-Dollar-Geschäft?

Auch die Geldgeber von Planetary Resources sind keineswegs grün hinter den Ohren. Neben Google-Gründer Larry Page und Chairman Eric Schmid finanziert Charles Simonyi das Unternehmen, der frühere Chefsoftwarearchitekt von Microsoft . Mit Ross Perot Jr. steht ein weiterer Milliardär hinter Planetary Resources. Und Titanic-Regisseur James Cameron zählt zu den Beratern. Kein Wunder, denn Asteroiden sind fliegende Geldbörsen.

Ein Billionen-Dollar-Geschäft könne der Asteroiden-Abbau werden, glauben die Planetary Resources-Manager. Die jährliche weltweite Wirtschaftsleistung könne um mehrere zehn Milliarden Dollar zulegen dank der im All gewonnen Rohstoffe. Die Brocken beherbergen wertvolle Metalle wie Platin, Palladium oder Gold. Laut Diamandis könnte ein Meteorit mit einem Durchmesser von 30 Metern Platin im Wert von insgesamt 38 Milliarden Euro in sich bergen.

Brad Blair, Berater der Weltraumbehörde Nasa, schätzt die Zahl geringer ein. Doch auch laut seiner Studie aus dem Jahr 2000 könnte man Platin im Wert von knapp fünf Milliarden Dollar aus einem Meteoriten mit einem Durchmesser von 700 Meter abtragen. Blair prognostizierte damals: Bis 2020 wird außerirdisches Edelmetall auf der Erde verkauft.

Das Heben der Ressourcen ist die schwierigste Aufgabe

Im ersten Schritt will Planet Resources in spätestens zwei Jahren bis zu fünf Teleskope in die Erdumlaufbahn schießen, um mehr über Asteroiden zu erfahren. Jede der Spähantennen soll inklusive Transport nur ein paar Millionen Dollar kosten. Innerhalb von sieben Jahren will das Unternehmen ferngesteuerte Raumschiffe zu Asteroiden senden, die dort nach Rohstoffen suchen. Ein solcher Ausflug soll 25 bis 30 Millionen Dollar kosten.

Das schwierigste Unterfangen ist die Hebung der Ressourcen. Roboter sollen das Platin oder Palladium nicht nur aus dem Boden holen, sondern das Erzgestein auch vor Ort bearbeiten. Aus einer Tonne Erz gewinnt man weniger als eine Unze Palladium. Aus Gewichtsgründen kann sich die Bearbeitung des Erzes auf der Erde nicht lohnen – so viel Gestein durch den Weltraum zu bewegen, kostet zu viel Energie. Diamandis und Anderson hoffen auf neue Technologien und verweisen auf Aluminium. Das Metall war im 19. Jahrhundert unglaublich teuer. Doch eine vor 130 Jahren entwickelte Methode, das Aluminium vom Erz zu trennen, senkte den Preis dramatisch.

Auf Asteroiden befindet sich auch Wasser, ein Rohstoff, der im Weltall sehr kostbar ist und der sich zudem in Wasserstoff und Sauerstoff spalten lässt. Ersteres könnte man als Brennstoff für ein Raumschiff verwenden, Letzteres für den Aufbau von bemannten Raumstationen. Anderson träumt schon von Versorgungsdepots: "Die Kosten für Treibstoff würden um den Faktor 100 fallen."

Erschienen im Handelsblatt