Es ist schon paradox: Da spendet die Sonne unserer Erde seit rund 4,5 Milliarden Jahren Licht und Wärme, weiß der Mensch um seine Abhängigkeit von dieser blendend hellen Kugel, und trotzdem ist sie ihm in vielem immer noch rätselhaft. Selbst immer raffinierter ausgerüstete Teleskope und Raumsonden sowie schneller rechnende Computer haben nur einen Teil der wichtigen Fragen beantworten können; denn auch bei der Sonne liegt der Teufel im Detail. Das jedoch soll sich ab heute ändern, wenn Europas größtes Sonnenteleskop namens "Gregor " seinen Betrieb aufnimmt

Der Pico del Teide – ein idealer Standort

Standort des Spiegels ist der Sattel des 2.400 Meter hohen Berges Izaña auf der spanischen Insel Teneriffa , wo es die elf Teleskope des Observatorio del Teide ergänzen wird. Der Inselvulkan bietet angesichts der immer schlechter werdenden Sichtbedingungen in Europa geradezu ideale Voraussetzungen für die Himmelsbeobachtung.

"Das ist die laminare Schichtung der Atmosphäre", sagt Klaus Strassmeier vom Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) . "Die Kanarischen Inseln liegen am östlichen Rand des Atlantiks, die Winde kommen aus dem Westen, die Luft ist dann sehr ruhig, bis sie die Inseln erreicht. Wir haben somit keine Turbulenzen. Diese Luftruhe führt zu klaren Bildern, sodass man auf der Sonne auch kleinere Strukturen auflösen kann." Hinzu kommt, dass das Observatorium oberhalb der Wolkenschichten liegt, wodurch sehr viele klare Tage für die Sonnenbeobachtung zur Verfügung stehen, sagt Sami Solanki vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau .

Beide Institute gehören zusammen mit dem leitenden Freiburger Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik (KIS) zu den Hauptbetreibern und damit auch zu den Nutzern des neuen Fernrohrs. Es wird auf absehbare Zeit das leistungsstärkste Sonnenteleskop sein. Konstruiert ist es nach dem Gregory-Prinzip – daher auch der Name "Gregor" – mit einem Kostenvolumen von mehr als zehn Millionen Euro. Der 1,5 Meter durchmessende Hauptspiegel besteht aus einer filigranen Wabenstruktur, die eine nur zehn Millimeter dicke verspiegelte Oberfläche trägt. Überhaupt ist das ganze Teleskop in Leichtbauweise gefertigt.

"Gregor" ist ein offenes Teleskop: "Das heißt, der Wind kann durch das Teleskop strömen", erklärt Solanki. "Es gibt auch keine Kuppel, aus der wie bei vielen anderen Fernrohren beobachtet wird." Zwar steht das Teleskop auf einem Turm und ist durch eine halbschalenförmige Zeltkuppel geschützt. Die aber wird für die Beobachtung vollständig zusammengefaltet. "So nimmt bei dieser Bauweise die Luft ein Teil der Wärme mit, denn bei diesen Beobachtungen entsteht sehr viel Hitze. Deshalb wird der Spiegel an seiner Rückseite mit Luft gekühlt und es wird nur ein Teil des Sonnenlichtes direkt beobachtet. Der Rest wird durch eine Wasser gekühlte Feldblende abgeleitet."