Liu Yangs Mission soll ein politisches Signal sein: Als erste chinesische Frau soll die 33-Jährige in den Weltraum fliegen. Nach mehrmonatigen Tests sei Liu für die nächste Mission ausgewählt worden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua . Das Raumschiff Shenzhou-9 soll demnach mit ihr und zwei Astronauten am Samstag vom Raumfahrtbahnhof Jiuquan in der Wüste Gobi starten. Zwischen 10 und 12 Uhr mitteleuropäischer Zeit sollen die Treibwerke zünden.

Es ist der vierte bemannte Raumflug Chinas , der mit 13 Tagen der längste und komplizierteste sein wird. Erstmals ist ein manuelles Andockmanöver mit dem Raummodul Tiangong 1 ( Himmelspalast ) geplant, das seit September die Erde umkreist. Zudem werden sich erstmals zwei Astronauten mehrere Tage in dem um die Erde kreisenden Raummodul aufhalten. Das sind wichtige Schritte auf dem Weg zum geplanten Bau einer eigenen chinesischen Raumstation.

Liu ist eine Absolventin des Fluginstituts der Luftwaffe in Changchun in Nordostchina. Sie setzte sich gegen die 34-Jährige Pilotin und Rettungsfliegerin Wang Yaping als erste chinesische Astronautin durch ist. Liu sei eine Frau mit "stahlharten Nerven" – wie lokale Medien ganz im Sinne der politischen Führung des Landes schreiben. Die Zeitung Dahebao aus ihrer Heimatprovinz Henan berichtet zum Beweis von einem gefährlichen Zwischenfall, bei dem ihr Düsenjet einmal beim Start mit einem Schwarm Tauben kollidierte und zwei Vögel in Luftschächte gesaugt wurden.

"Liu Yang wollte gerade das Fahrwerk einziehen, als sie einen Knall hörte und Blut am Fenster sah", heißt es in dem Bericht. Plötzlich habe es in der Kabine nach Rauch gerochen. "Intuitiv wusste Liu Yang, dass es Vögel gewesen sein mussten." Der Mechaniker an Bord habe steigende Temperaturen im rechten Triebwerk und Probleme mit der Stromversorgung gemeldet. "Liu Yang zeigte eine Ruhe, wie sie bei jungen Piloten selten ist." Hochkonzentriert habe sie umgedreht und den Jet nach elf Minuten wieder sicher zur Erde gebracht.

Liu soll für Gleichberechtigung im Raumfahrtprogramm Chinas sorgen. "Frauen können die Hälfte des Himmels tragen", lautet etwa ein Satz des Staatsgründers der kommunistischen Volksrepublik Mao Tsetung. Seine Worte bekommen jetzt neue Bedeutung. "Eine Astronautin an Bord zeigt, dass China sowohl an Zuversicht in sein Raumfahrtprogramm gewonnen, als auch die Öffentlichkeitsarbeit begriffen haben", sagt die Raumfahrtexpertin Joan Johnson-Freese vom US Naval War College im amerikanischen Newport.

Nicht nur im Ausland gewinne China damit Aufmerksamkeit für das staatliche Raumfahrtprogramm. Auch Frauen im eigenen Land sollen für ähnliche Projekte und Karrieren begeistert werden, sagt Johnsen-Freese.

Nächster Schritt für eigene Raumstation

Der Weltraumflug sei ohnehin schon eine große Herausforderung, sagte Dean Cheng von der US-Denkfabrik Heritage Foundation in Washington. Chinas erstes handgesteuertes Kopplungsmanöver eines bemannten Raumschiffes werde "sehr spannend und sehr gefährlich". Dass im November das unbemannte Raumschiff Shenzou 8 schon zweimal von der Erde aus ferngesteuert an das Modul angedockt war, sei eine gute Voraussetzung. "Aber es kann eine Menge schieflaufen."

Nach dem Rendezvous in 343 Kilometer Höhe sollen dann zwei Astronauten in den Himmelspalast umziehen. Sie sollen die lebenserhaltenden Systeme testen. Schließlich will China bis 2020 eine viel größere Raumstation mit einem Gewicht von rund 60 Tonnen im Erdorbit  fertigstellen. Allerdings gibt es nach Angaben der US-Expertin Johnson-Freese Verzögerungen bei der Entwicklung der notwendigen, leistungsstärkeren Rakete vom Typ Langer Marsch 5 .