Frage: Herr Professor Heuer , Sie haben uns Journalisten ein Schnippchen geschlagen – eigentlich hatten wir erst jetzt im Herbst mit der Entdeckung eines neuen Teilchens am LHC gerechnet. Wieso ging es doch so viel schneller ?

Rolf-Dieter Heuer: Der Beschleuniger und das Grid-Computing haben hervorragend funktioniert. Außerdem lief der LHC mit etwas höherer Energie als im letzten Jahr, damit hatte man eine höhere Wahrscheinlichkeit, das Higgs-Teilchen zu produzieren . Auch die Experimente haben ihre Analysemethoden verfeinert, was zusätzlich geholfen hat.

Frage: Einigen ging es offenbar trotzdem nicht schnell genug. Schon Wochen vor der Bekanntgabe gelangten die Ergebnisse ins Internet . Hat Sie das geärgert?

Heuer: Ich habe mich daran gewöhnt und rege mich lieber über andere Sachen auf. Das ist die heutige Zeit. Ich habe nichts gegen Blogs. Außer sie geben vertrauliche Informationen raus.

Frage: An eine Verschwiegenheitsklausel in den Verträgen der Cern-Wissenschaftler haben Sie noch nicht gedacht?

Heuer: Es gibt einen "Code of Conduct", einen Verhaltenskodex. Auf den wird im Vertrag indirekt Bezug genommen, denn wir wollen natürlich niemandem einen Maulkorb verpassen.

Frage: Warum sind die Daten eines Experiments wie des LHC denn überhaupt vertraulich?

Heuer: Weil sie unausgegoren sind. Diese Analysen sind ständig im Fluss und müssen von Fachleuten gegengeprüft werden. Außerdem muss ein anderes Experiment das Ergebnis bestätigen, sonst kommen Effekte heraus, die man nachher wieder zurücknehmen muss.

Frage: Wie ließen sich denn am Cern in Zukunft weitere Datenlecks vermeiden?

Physik - Dr. Max: Die Higgs-Teilchen wären die Ameisen im Teilchenzoo Das vor kurzem entdeckte Elementarteilchen verleihe allen anderen ihre Masse, sagen Physiker. Aber was heißt das? Und gibt es in der Physik jetzt noch was zu tun? Eine Spurensuche in Hamburgs Unterwelt

Heuer: Entweder verstehen die Leute, dass Vertraulichkeit ab und zu sein muss. Oder aber wir können Ergebnisse nur in ganz kleinen Gruppen diskutieren – das verstößt aber gegen das wissenschaftliche Prinzip der Transparenz. Natürlich müssen wir transparent und offen sein, das ist ganz klar. Ich glaube, wir haben in den letzten Jahren immer alles genau dargelegt und erklärt. Aber wir haben das immer erst dann getan, wenn wir wussten, was Sache war.

Frage: Jetzt wissen Sie also, dass Sie das Higgs-Boson entdeckt haben?

Heuer: So habe ich es ja nicht gesagt.

Frage: Na ja, Sie sagten, für den Laien gelte es als gefunden.

Heuer: Ja, für den Laien. Die Hinweise sind sehr stark, aber wissenschaftlich ist es noch nicht ganz eindeutig. Wir haben ein Teilchen gefunden, das so zerfällt, wie man es vom Higgs-Teilchen erwarten würde .