"Glauben Sie bloß nicht, dass Menschen so besonders sind", sagt der Professor und lehnt sich in den Stuhl eines Museumscafés in Tokio. Hiroshi Ishiguro trägt eine schwarze Daunenjacke, das mittellange, wellige Haar fällt hin und wieder über seine große Brille. Wenn er spricht, spielt Ishiguro mit einer Schachtel Streichhölzer, als wäre er gedanklich ganz woanders. "Wenn wir eine Aufgabe genau verstehen, dann können wir sie auch lösen. Das ist nicht unmöglich, wie manche Leute immer behaupten." Und wenn die Wissenschaft so weit sei, könne sie den Menschen nachbauen, und zwar "ganz genau".

Hiroshi Ishiguro sagt das als jemand, der bereits damit experimentiert. Vor spätestens sechs Jahren wurde er weltberühmt, als er den "Geminoid HI-1" vorstellte, eine Nachbildung seiner selbst. Der Roboter sieht seinem Schöpfer zum Verwechseln ähnlich, Mimik und Gestik wurden nahezu perfekt kopiert. Auf Ishiguros Visitenkarte befindet sich auf einer Seite ein Foto des Roboters, auf der anderen das des menschlichen Originals, der Unterschied ist kaum erkennbar.

Die Geminoid-Modelle, von denen Ishiguro bereits etwa zehn Stück für private Auftraggeber gebaut hat, will er soweit verbessern, dass sie von Menschen nicht nur als Menschen wahrgenommen, sondern auch wie Menschen wertgeschätzt werden. Irgendwann, glaubt der Leiter des Labors für intelligente Robotik an der Universität Osaka, könnten Menschen nämlich auch mit Robotern befreundet sein.

Der japanische Ingenieur und Professor an der Osaka Universität, Hiroshi Ishiguro

Diese Vision macht Ishiguro, gemeinsam mit seinen bisherigen Errungenschaften in der Robotik, einerseits zum Superstar der Szene. Andererseits ist er einer ihrer streitbarsten Persönlichkeiten. "Was ist falsch daran, wenn ein Mensch einen Roboter sogar liebt?", fragt Ishiguro. "Haben Sie meinen 'Geminoid F' gesehen, der einer Frau nachempfunden ist? Finden Sie etwa nicht, dass sie hübsch ist?" Bis Roboter als Freunde oder gleichwertige Partner taugen, glaubt er, dürften noch viele Jahre vergehen, eine zeitliche Prognose traut er sich nicht zu. Aber Studien zeigten bereits, dass Menschen grundsätzlich auch Maschinen als Wesen respektieren können. Und letztlich gehe es dabei nicht nur um Technik, sondern auch um die Geisteshaltung einer Gesellschaft.

Große Zukunft für die Roboterliebe?

Bei beidem scheinen die Japaner der Welt etwas voraus. Roboter spielen in Kultur und Kunst des Landes eine wichtige Rolle. Die Wissenschaft hat es sich zum Ziel gesetzt, die besten menschenähnlichen Roboter auf dem Globus zu produzieren. Die Sorge, die Maschinen könnten den Menschen im Arbeitsalltag ersetzen, oder wie Frankenstein neu erschaffen, ist in Japan deutlich weniger verbreitet als in westlichen Ländern.

Der schottische Experte für künstliche Intelligenz und Schachmeister David Levy, der auch das Buch Love and Sex with Robots geschrieben hat, sieht langfristig aber nicht nur für Japan eine große Zukunft in der Roboterliebe. Für die kommenden Jahrzehnte prophezeit er der ganzen Welt Beziehungen und sogar Hochzeiten mit Maschinen. Weiterbildungen von Hiroshi Ishiguros Geminoid könnten langfristig die Blaupause sein.

Sexroboter gibt es längst. Jenseits von Gummipuppen, automatischen Dildos und dergleichen werden Maschinen in Lebensgröße verkauft, die einem Menschen zu einem gewissen Grad ähneln. Nachbildungen von Frauen können etwa stöhnen, wenn sie an der Brust berührt werden, entsprechende männliche Puppen werden auch schon verkauft. In Japan machen zudem Bordelle ein gutes Geschäft, in denen Kunden ihre Liebespuppen auswählen. In deutschen Sexshops gibt es zumindest Gummipuppen mit eingebauten Vibratoren zu kaufen. Und in mehreren Ländern haben Leute schon angegeben, mit Robotern eine Liebesbeziehung zu führen.