Für Altertumsforscher ist es eine kleine Sensation: Im Norden Israels sind Archäologen auf Teile einer Sphinx gestoßen. Wie die Statue vor tausenden Jahren nach Tel Hasor gelangte ist unklar, denn noch nie wurden im östlichen Mittelmeerraum vergleichbare Funde gemacht.

Das Sphinx-Fragment aus Granitstein ist mit einer Inschrift aus Hieroglyphen versehen und dem ägyptischen Herrscher Menkaure gewidmet, der vor etwa 2.500 Jahre vor Christi in Ägypten regierte. Gefunden haben die Wissenschaftler die Pfoten, Teile der Unterarme und den Sockel der Sphinx.

Es ist das erste Mal, dass eine Menkaure-Sphinx ausgegraben wurde. "Auch ist dies die einzige monumentale ägyptische Statue, die jemals in der Levante gefunden wurde, also dem heutigen Israel, Libanon und Syrien", sagte Grabungsleiter Amnon Ben-Tor, der Archäologieprofessor an der Hebräischen Universität von Jerusalem ist.

Die Archäologen gehen davon aus, dass die Statue ursprünglich in einer antiken Tempelstadt im Norden Kairos gestanden hat. Nun rätseln die Wissenschaftler, wie das Monument, dessen Gesamtgröße auf anderthalb Meter Länge und einen halben Meter Breite berechnet wird, nach Tel Hasor kam.

Da es zu Lebzeiten von Pharao Mykerinos keinerlei Verbindungen in das Gebiet des heutigen Galiläa gab, ist die Statue wahrscheinlich erst später nach Hasor gelangt. Am wahrscheinlichsten ist für Ausgrabungsleiter Ben-Tor, dass die Sphinx um 1550 vor Christi als diplomatisches Geschenk auf Reisen ging: "Da könnte der ägyptische Regent die Sphinx dem König von Hasor geschenkt haben, der sein wichtigster Statthalter in der Region war", sagte er. Die Sphinx könnte aber auch als Beutekunst nach Israel gelangt sein.

Die Archäologen hoffen, bald weitere Teile des Monuments auf dem Hasor-Hügel zu entdecken, der wichtigsten archäologischen Grabungsstätte in Israel. In Tel Hasor stand in der Bronzezeit die Hauptstadt des südlichen Kanaan, die in ihrer Blütezeit etwa 20.000 Einwohner zählte. Sie wurde im 13. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zerstört, 150 Jahre später von den Israeliten wiederbesiedelt und schließlich im Jahr 732 vor Christi von den Assyrern vernichtet.