Ein bisschen wie die Basisstation von Astronauten, die zum ersten Mal auf dem Mars ihr Lager aufgeschlagen haben, mutet das Observatorium inmitten der rotbraunen kargen Wüstenlandschaft an. Wie Fremdkörper stecken die silbrig-weiß glänzenden Teleskope in der trockenen Erde. Von hier aus starren die größten maschinellen Weltraumbeobachter der Erde in den Himmel. Very Large Telescope heißt die Anlage, die die Europäische Südsternwarte hier im chilenischen Teil der Atacamawüste betreibt. In Wahrheit zählt dazu eine ganze Armada an richtig starken Fernrohren.

Mithilfe eines der hochempfindlichen Teleskope haben Astronomen jetzt die bisher wohl schärfste Aufnahme des Garnelennebels gemacht. Angeblich war es die Form dieser Wolke in der Milchstraße, die dem Himmelsobjekt den englischen Namen Prawn Nebula einbrachte.

Mit einem Durchmesser von um die 250 Lichtjahre, katalogisiert unter der Nummer IC 4628, liegt der Garnelennebel 6.000 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Skorpion und besteht unter anderem aus Gaswolken. In diesem Nebel – nach dem australischen Astronomen Colin Gum auch als Gum 56 bekannt – entstehen heiße, leuchtende Sterne. Der Garnelennebel ist also so etwas wie eine Sternenkinderstube.

Im sichtbaren Bereich des Lichts erscheinen die neugeborenen Sterne bläulich-weiß. Sie senden allerdings auch intensive Strahlung aus anderen Teilen des Lichtspektrums aus – vor allem im ultravioletten Bereich. Dieses Licht ist es, das die Baby-Sterne zum Leuchten bringt. Auch für das menschliche Auge nicht wahrnehmbare Strahlen können die Teleskope im chilenischen Teil der Wüste, die sich auch über Peru erstreckt, einfangen und zu Bildern zusammensetzen. Zu den Geräten, die das All beobachten, zählen vier Hauptteleskope, deren Spiegel jeweils einen Durchmesser von mehr als acht Metern haben.

Theoretisch kann man den Garnelennebel sogar durch ein einfaches Fernrohr erkennen – doch da seine Leuchtkraft eher gering ist, wurde die Formation, die immerhin viermal so viel Fläche am Himmel einnimmt wie der Vollmond, lange übersehen. Die Lichtverschmutzung in Städten, dort, wo Straßenlaternen, Lichter aus Wohnhäusern und Werbeschildern die Dunkelheit stören, erschwert es zusätzlich, solche Objekte am Nachthimmel auszumachen.

Das jetzt veröffentlichte Bild wurde mit dem VLT Survey Telescope (VST) aufgenommen und mit Aufnahmen der Himmelsregion, die der australische Astrofotograf Martin Pugh gemacht hat, kombiniert. So entstanden sehr farbintensive Bilder der nebulösen Sternenkinderstube.