Schon im Kindergarten lernen wir den Unterschied zwischen süß und sauer, salzig und bitter. Fehlt nur noch umami, das den Geschmack von eiweißreicher Nahrung kennzeichnet. Und das sind sie auch schon, die fünf Kategorien der gustatorischen Wahrnehmung. Was die Zunge kann, weiß früher oder später jedes Kind.

Was aber die Nase kann, ist noch immer ein Rätsel. Wie viele Parameter erkennen wir und wie setzt sich aus ihnen ein vollständiges Geruchserlebnis zusammen? Keiner unserer Sinne steht wissenschaftlich so im Nebel wie der olfaktorische. 2004 erhielten Richard Axel und Linda Buck den Medizin-Nobelpreis für ihre Erkenntnisse über die Geruchsrezeption im Gehirn. Das zeigt, wie wichtig die Forschung an der Nase ist. Nicht zuletzt deshalb werden neue Theorien stets heiß diskutiert.

Der deutsche Forscher Hans Henning stellte vor fast 100 Jahren die Theorie des Geruchsprismas auf, dessen Ecken die Kategorien blumig, fruchtig, würzig und harzig bilden. Faulig und brenzlig fügte er als Mischgerüche dazu. In der Parfumerie verzichtet man – verständlicherweise – gern auf die letzten beiden und benutzt, nach dem Riechstoffchemiker Günther Ohloff, meist die ersten vier Begriffe zusammen mit grün, holzig, animalisch und erdig zur Beschreibung von Duftnoten.

Jetzt stellt die Studie eines amerikanischen Forscherteams auch diese geläufigen Kategorien wieder infrage. Wie Jason Castro, Chakra Chennubhotla und Arvind Ramanathan es im Wissenschaftsjournal PLoS One darlegen, haben sie zehn grundlegende Geruchskategorien identifiziert: wohlriechend, holzig-harzig, fruchtig (nicht zitrisch), chemisch, minzig, beißend, faulig, süß, Zitrone und, ja, Popcorn. Die Basisdaten der Untersuchung stammen aus dem 1985 erschienenen Atlas of Odor Character Profiles von Andrew Dravniek, der 144 monomolekulare Riechstoffe systematisch charakterisiert hat. Diese Beschreibungen wurden jetzt durch statistische Verfahren in einer räumlichen Matrix angeordnet und konnten damit in die zehn Gruppen eingeteilt werden.

Was das nun bedeutet? Müssen alle Bücher umgeschrieben werden, alle Parfumregale umetikettiert? Die Wissenschaftler halten sich noch zurück mit revolutionären Thesen. "Diese Studie stützt die Idee, dass die Welt der Gerüche streng strukturiert und durch eine Handvoll Basiskategorien organisiert ist", sagt Jason Castro vom Bates College. Es sei noch immer eine offene Frage, wie viele grundlegende Geruchsqualitäten es gebe.

Ob die Studienergebnisse Gültigkeit beanspruchen können, hängt sicherlich von der Verlässlichkeit der Basisdaten ab. Und es liegt die Vermutung nahe, dass Dravnieks Riechstoffcharakteristika stark kulturell geprägt sind. Europas Parfumeure werden über die neuen Kategorien bestimmt die Nase rümpfen. Popcorn! Ein Basisduft? Allerhöchstens in Disneyland.