Wenn mehr als 1.000 "herrlich exzentrische Zuschauer" zusammen mit einigen Nobelpreisträgern Papierflieger auf eine herumtänzelnde menschliche Zielscheibe werfen, dann ist es Zeit für die alljährlichen Ig-Nobelpreise. So beginnt traditionell die Verleihung der vermeintlich schmachvollen ("ignoble") Auszeichnung im altehrwürdigen Sanders Theatre der Harvard Universität im amerikanischen Cambridge. Seit 1991 ehren die Macher des Magazins Annals of Improbable Research Wissenschaftler, deren Forschung einen erst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringt.

Begrüßt wurden die Gäste und Preisträger in der Nacht zu Freitag von der Grammy-nominierten Harfenistin Deborah Henson-Conant. Die trug auf ihrem elektrischen Zupf-Instrument eine, nun ja, ziemlich abgerockte Version der amerikanischen Nationalhymne vor, angekündigt mit den Worten: "Dies ist das Instrument, das Jimi Hendrix in diesem Moment spielt."

Henson-Conant ist auch Gründerin und Kuratorin des Verbranntes-Essen-Museums in Arlington. Hier werden unter anderem verkohlte Waffeln und angesengtes Obst gezeigt. Was mit Acrylamid belastete Lebensmittel mit den Ig-Nobelpreisen zu tun haben? Die Idee, sie auszustellen, ist mindestens so schräg wie die Auszeichnung und ihre Verleihungs-Zeremonie.

Dabei sind die sogenannten Igs keineswegs Schmäh-Preise, sondern werden für mitunter abstruse Forschung vergeben, die durchaus ernsthaft verfolgt wird. Echte Nobelpreisträger überreichen sie, oft in weiße Laborkittel gekleidet. Jeder Preisträger hat eine Minute, um sich zu bedanken und seine Forschung kurz zu erläutern. Wer das Zeitlimit überschreitet, wird von der achtjährigen Miss Sweetie Poo unterbrochen. Sie wiederholt die Sätze "Bitte aufhören. Ich bin gelangweilt." Bis sich ein Redner geschlagen gibt. 

Diesmal reisten die Geehrten aus 18 Ländern und von fünf Kontinenten an, um die Auszeichnung persönlich in Empfang zu nehmen. Und das sind die zehn diesjährigen Igs und ihre Besitzer:

  • Biologie und Astronomie: Die Auszeichnung teilen sich Marie Dacke, Emily Baird, Marcus Byrne, Clarke Scholtz und Eric Warrant aus Schweden, Australien, Deutschland, Großbritannien und Südafrika. Sie entdeckten, dass Mistkäfer, die die Orientierung verloren haben, wieder nach Hause finden, indem sie nach der Milchstraße Ausschau halten.
  • Sicherheit und Ingenieurswesen: Posthum geht dieser Preis an den US-Amerikaner Gustano Pizzo, der ein elektro-mechanisches System erfunden hat, um Flugzeug-Entführer einzufangen. Seine patentierte Methode lässt einen Entführer zunächst durch eine Falltür stürzen, schnürt ihn in ein Gebinde ein, um ihn dann durch die speziell installierte Bombenklappe des Flugzeugs auszuwerfen.  Schließlich gleitet der Kidnapper per Fallschirm zu Boden, wo ihn bereits per Funk alarmierte Polizisten erwarten.
  • Physik: Diese Auszeichnung teilen sich Alberto Minetti, Yuri Ivanenko, Germana Capellini, Nadia Dominici und Francesco Lacquaniti aus Italien, Großbritannien, Dänemark, Schweiz, Russland und Frankreich. Sie entdeckten, dass manche Menschen durchaus körperlich in der Lage wären, über die Oberfläche eines Teichs zu laufen, wenn sie und der Teich sich auf dem Mond befänden.
  • Archäologie: Brian Crandall und Peter Stahl aus Kanada und den USA bekommen den Preis. Sie kochten eine tote Spitzmaus, schluckten sie ohne sie zu zerkauen, um zu untersuchen, was ihre Körper ausscheiden würden. Sie wollten die Frage beantworten, welche Spitzmaus-Knochen sich im menschlichen Verdauungstrakt auflösen würden und welche nicht.