Der Wasseranteil im steinigen und sandigen Marsboden beträgt rund zwei Prozent. Das ist überraschend viel, wie Wissenschaftler um Laurie Leshin im Magazin Science berichten. Die Forscher vom Rensselear Polytechnic Institute im amerikanischen Troy werteten Daten aus, die der Rover Curiosity auf dem Mars gesammelt hatte. Der sechsrädrige Roboter hatte sich zuvor eine feste Gesteinsprobe einverleibt und in seinem bordeigenen Labor untersucht. So stieß er neben Wasser auch auf nennenswerte Mengen Kohlendioxid, Sauerstoff und Schwefelverbindungen im Boden.

"Wir wissen jetzt, dass es reichlich und leicht zugängliches Wasser auf dem Mars geben sollte", sagte Leshin. "Wenn wir Menschen dorthin schicken, könnten sie den Boden irgendwo auf der Oberfläche aufsammeln, ein bisschen erhitzen und hätten Wasser." Ähnlich war Curiosity vorgegangen. Er hatte eine Schaufel marsianisches Erdreich aufgeschaufelt und in seiner speziellen Analysekammer (Sample Analysis at Mars, SAM) auf 835 Grad Celsius erhitzt. Dabei löste sich das Wasser aus der Probe. Die Messung enthüllte auch eine Chlor-Sauerstoff-Verbindung, die bislang nur aus den hohen Breiten des Roten Planeten bekannt war.

Außerdem untersuchte Curiosity das Verhältnis der verschiedenen Wasserstoff- und Kohlenstoff-Varianten (Isotope) im Boden. Diese Isotopenverhältnisse stimmen mit denen in der Marsatmosphäre überein, was eine enge Wechselwirkung zwischen Sand und Luft nahelegt. "Der Mars besitzt eine Art globale Schicht, eine Schicht aus oberflächlichem Boden, der von den häufigen Staubstürmen gemischt und verteilt worden ist", sagt Leshin. Der Sand auf dem Planeten wird großflächig über den Planeten verweht. "Eine Schaufel davon ist wie eine mikroskopische Sammlung Marsgestein. Die Mischung aus unterschiedlichen Körnchen bildet ein recht akkurates Bild der Marskruste ab."

Auf Wasser schließen Forscher auch aus einem anderen Fund des Mars-Rovers: Der erste Stein, den Curiosity auf dem Roten Planeten untersucht hatte, unterscheidet sich von allen anderen bislang bekannten Marsgesteinen, wie ein weiteres Forscherteam ebenfalls in Science berichtet. Der pyramidenförmige, vulkanische Fels sei ein Mugearit. Dieses Gestein entsteht auf der Erde unter dem Einfluss von Wasser tief unter der Oberfläche. Die Forscher tauften die Mars-Variante auf den Namen "Jake_M" nach dem Nasa-Ingenieur Jake Matijevic, der im Jet Propulsion Laboratory der Behörde an der Analyse beteiligt gewesen ist.

Felsenfest sei dieses Indiz für mögliche Wasservorkommen tief unter der Marsoberfläche zwar nicht. Der Fund des Steins sei aber noch aus anderer Sicht bedeutend, sagt der Koautor der Studie, Martin Fisk von der Oregon State University. "Er legt nahe, dass das Marsinnere aus Regionen verschiedener Zusammensetzung besteht. Vielleicht wurde der Mars nie so gleichförmig durchmischt wie die Erde durch ihre Plattentektonik und Konvektionsprozesse."