Forscher um Timothy Leighton von der britischen Universität von Southampton haben ein Radarsystem entwickelt, das selbst simple Schaltkreise von anderen metallischen Gegenständen unterscheiden kann. Das gelingt auch dann, wenn die Elektronik versteckt wurde. Im Magazin Proceedings A der britischen Royal Society stellen die Forscher ihr Radar nun vor. Leighton und sein Team ließen sich für ihr System von den Klicklauten inspirieren, mit denen Delfine sich unter Wasser zurechtfinden.

Die britischen Wissenschaftler experimentierten zunächst mit Unterwassersonaren. Diese setzen aus dem Echo ausgesendeter Schallwellen ein recht simples Bild der Meeresumgebung zusammen. Ihr Signal kann allerdings schon von den Verwirbelungen, die eine Schiffsschraube erzeugt, gestört werden.

Delfine hingegen nutzen einen Doppelschallimpuls aus Klicklauten, um ihre Umgebung abzutasten. Die Kurve der Schallwelle des ersten Impulses schlägt dabei beispielsweise zuerst nach oben und dann nach unten aus. Bruchteile von Sekunden später klickt der Delfin ein zweites Signal, das dem ersten gleicht. Dessen gedachte Kurve verläuft allerdings spiegelverkehrt: Zuerst geht der Ausschlag nach unten, dann nach oben. 

Dank des doppelten Impuls können die Meeressäuger zwischen linearen Echos von tatsächlichen Hindernissen und nichtlinearen Echos von Störquellen wie etwa Luftblasen unterscheiden. Die britischen Forscher nahmen dies zum Vorbild und übertrugen es auf elektromagnetische Wellen, mit denen Radaranlagen an Land Dinge orten. Sie nennen ihr Verfahren "Radar mit doppeltem, invertiertem Impuls" (Twin Inverted Pulse Radar, kurz Twipr).

Das Verfahren könnte in Zukunft in vielen Bereichen verwendet werden. Es kann simple metallische Gegenstände von Schaltkreisen unterscheiden. Sendeten die Forscher ein Radarsignal in Richtung eines elektronischen Bauteils, war das Echo nichtlinear. Ein Stück Blech hingegen schickte ein lineares Echo zurück. So könnte Twipr verborgene Elektronik aufspüren, wie etwa die elektronischen Komponenten von Sprengladungen.

Leben retten könnte Twipr aber auch ganz konkret, indem das Radar Lawinenopfer ortet. Damit das funktioniert, müssten verschüttete Skifahrer lediglich einen wenige Euro teuren Schaltkreis oder einfach ihr Handy bei sich tragen, erläutern die Forscher. Selbst wenn das Mobiltelefon ausgeschaltet und die Akkus leer waren, konnten die Forscher mit ihrem Radar im Versuch die Schaltkreise des Gerätes orten.