Der Glimmstängel gehört heutzutage vielerorts zu den Geächteten. Längst ist der Marlboro-Mann aus dem Kino geritten, von den Werbebanden großer öffentlicher Veranstaltungen wie Formel-1-Rennen oder Fußballspielen wurde Zigarettenreklame verbannt. Und auch die Länder haben mit ihren wohlmeinenden aber umstrittenen Gesetzen beschlossen, eine schützende Hand über Nichtraucher zu halten. 

2009 war laut Daten des Statistischen Bundesamtes noch ein Viertel der Deutschen abhängig vom giftigen Nikotin. In Europa war laut  Eurobarometer gar rund ein Drittel der Bevölkerung ab 15 Jahren dem Rauchen verfallen. Inzwischen aber zeichnet sich eine Trendwende ab, die zahlreichen Regulierungen zeigen erste Erfolge. So hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Anfang vergangenen Jahres vermeldet, dass immer weniger Jugendliche zur Kippe greifen.

Eine Entwicklung, die nun auch die Europäische Union vorantreiben will. Nach jahrelanger Debatte und hitzigen Verhandlungen mit der Tabaklobby, hat das EU-Parlament nun die Verschärfung der Tabakrichtlinie von 2001 beschlossen. Sie soll vor allem junge EU-Bürger zum Aufhören bewegen oder dafür sorgen, dass sie gar nicht erst mit dem Qualmen anfangen.

Der zentrale Ansatz: Mit Bildern schocken und Aromastoffe verbieten, um Rauchen noch unbeliebter zu machen. Doch wie sinnvoll sind die geplanten Neuerungen tatsächlich? ZEIT ONLINE hat die drei wichtigsten überprüft:

Größere Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen

Von "Rauchen tötet" bis Bildern von Raucherbeinen: Auf 65 Prozent der Verpackungsfläche sollen künftig abschreckende Warnhinweise und Bilder zu sehen sein. Begründet wird dieser Schritt mit zahlreichen Studien aus den USA und Australien, zwei Vorreiternationen, wenn es um Suchtprävention beim Rauchen geht.

In einer experimentellen Studie aus den USA etwa verglichen die Forscher bei rund 200 Rauchern, wie gut sie sich an die Hinweise auf Zigarettenpackungen erinnern können. Einmal handelte es sich nur um Text, ein anderes Mal waren zudem Bilder auf der Schachtel abgedruckt. Während sich von den 95 Testpersonen der Textgruppe nur rund 50 Prozent sich an die Warnung erinnern konnten, waren es bei den 97 Personen der Bildgruppe mehr als 80 Prozent.

Ein australisches Forscherteam wiederum hat untersucht, inwiefern sich ein anderes Verpackungsdesign auf das Verhalten von Raucher auswirkt. Die dortigen Zigarettenpackungen sind mittlerweile zu 75 Prozent von Warnhinweisen umhüllt, so dass der Name des Herstellers kaum zu erkennen ist. Unter den 388 befragten Rauchern mit neuer Packung gaben 36 Prozent an, in der vergangenen Woche mindestens einmal pro Tag über das Aufhören nachgedacht zu haben. Bei den 148 Rauchern mit alter Packung waren es nur 21 Prozent.

Der Haken der beiden Studien: Ob wirklich mehr Probanden den Zigaretten abgeschworen haben oder sie nur öfter ein schlechtes Gewissen hatten, ist nicht klar. Generell fehlt es an Untersuchungen, die wirklich kontrollieren, ob mehr Raucher dauerhaft aufhören.

Verbot von Mentholzigaretten

Keiner riecht gern nach muffigem Tabakqualm und so greifen Jugendliche – oder auch ZEIT-Herausgeber – gerne zu Zigaretten mit künstlichen Geschmacksrichtungen wie Menthol oder anderen Aromastoffen, wie Schokolade. Die Richtlinie sieht nun vor, solche Stoffe zu verbieten. Aromastoffe sollen bereits mit Inkrafttreten des Papiers vom Markt verschwinden, Mentholzigaretten jedoch bleibt eine achtjährige Übergangsfrist.

Eine fragwürdige Entscheidung, bedenkt man die Ergebnisse einer Übersichtsstudie der FDA, der amerikanischen Behörde für Lebens- und Arzneimittel. Die im Juli dieses Jahres veröffentlichte Auswertung von zahlreichen US-Studien zeigt, dass Mentholliebhaber größere Schwierigkeiten haben, mit dem Rauchen aufzuhören als jene, die dem klassischen Tabakgeschmack verfallen sind.

Allerdings liefern nicht alle zitierten Studien eindeutige Ergebnisse. So konnte beispielsweise die groß angelegte Cardia-Studie den direkten Zusammenhang nicht statistisch einwandfrei nachweisen.

Verkauf von E-Zigaretten wird strenger kontrolliert

E-Zigaretten sind immer häufiger auf der Straße zu sehen. Sie funktionieren ganz ohne Feuer mithilfe eines elektrischen Verdampfers. Dieser erwärmt eine nikotinhaltige Flüssigkeit, deren Dampf die Raucher inhalieren. Der Vorteil: Es werden keine schädlichen Rußpartikel freigesetzt, die typisch für die Verbrennungsprozesse in einer herkömmlichen Zigarette sind. Trotzdem warnt Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum: "Bei der E-Zigarette werden ebenfalls krebserregende Stoffe freigesetzt, wenn auch in geringeren Mengen. Die Studienlage bezüglich der Langzeitfolgen ist noch sehr dünn."

In Italien läuft nun die weltweit erste Studie zu den Langzeitfolgen an. Noch suchen die Forscher nach Teilnehmern, in den nächsten fünf Jahren müssen diese dann in regelmäßigem Abstand Fragebögen zu ihrem Rauchverhalten ausfüllen. Auch wollen die Forscher den Gehalt von Kohlenmonoxid im Atem jener Probanden messen, die angeben, keine herkömmlichen Zigaretten mehr zu rauchen. Auf diese Weise wollen sie herausfinden, ob E-Zigaretten den Körper mit weniger Gift belasten. Erste Ergebnisse werden erst für 2019 erwartet.

Unsere Analyse zeigt: Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die Änderungen in der Tabakrichtlinie sinnvoll sind. Sie liefern jedoch nur erste Hinweise. Und so stellt sich die Frage, bis wohin die Aufklärung geht und wo die Bevormundung beginnt. In den USA jedenfalls wurden erst vor kurzem Pläne für neue Warnhinweise von höchstrichterlicher Seite gekippt. Begründung: Die massiven Bilder auf den Verpackungen würden die Meinungs- und Wahlfreiheit einschränken.