Ich bekenne: Seit meiner Jugend rauche ich. Immer wieder habe ich versucht aufzuhören. Mal mit längerem, mal mit kürzerem Erfolg. Gerade probiere ich es wieder. Die Warnhinweise, die es schon seit etlichen Jahren auf den Zigarettenschachteln gibt, helfen mir wenig. Ich weiß ja, dass Rauchen meiner Gesundheit schadet und es töten kann. Mein Körper sagt mir das jeden Tag. Aber ich bin nun einmal süchtig nach Nikotin und dem Rauchen. Dem zu widerstehen, ist verdammt schwer.

Das EU-Parlament hat nach langer hitziger Debatte beschlossen, von den Herstellern zu verlangen, drastische Bilder von Raucherbeinen und Raucherlungen und noch deutlichere und größere Warnungen auf die Zigarettenpackungen zu drucken. Ob das wirklich abschreckt, ist wissenschaftlich umstritten. Überzeugte, abhängige Raucher, wie ich es leider oft bin, würden selbst ekelfarbige Glimmstengel nicht davon abhalten, zur nächsten Zigarette zu greifen. 

Dennoch ist der Beschluss richtig. Alles, was auch nur ansatzweise vor allem Jugendliche davon abhalten kann, mit dem Rauchen anzufangen, ist zu begrüßen.

Viel wichtiger aber ist, das Rauchen in der Öffentlichkeit weiter einzuschränken und generell zu ächten. Seit in Restaurants, in öffentlichen Gebäuden und an meinem Arbeitsplatz bei ZEIT ONLINE nicht mehr geraucht werden darf, qualme ich weniger. Ich finde es nicht einmal schlimm, sondern genieße es, beim Essen oder mit Freunden und Kollegen in qualmfreier Umgebung zu sitzen. Zum Rauchen kann ich ja vor die Tür gehen, wo ich niemandem zum Mitrauchen zwinge.

Jedes Jahr sterben in der EU schätzungsweise 700.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Von den Milliardenkosten für das Gesundheitswesen ganz zu schweigen. Die Tabaklobby und ihre politischen Verbündeten haben dennoch alles daran gesetzt, die Neufassung der europäischen Tabakrichtlinie zu entschärfen. So sollen jetzt nur 65 Prozent statt wie ursprünglich gefordert 75 Prozent der Packungen mit Warnhinweisen bedeckt werden. Und scheinbar harmlosere Produkte wie Slim-Zigaretten bleiben erlaubt.

Der Kampf geht auch noch weiter. Vor der Umsetzung in nationales Recht, die nicht vor dem Jahr 2016 zu erwarten ist, müssen noch Details ausgehandelt werden. Die Tabakkonzerne werden erneut Druck machen – mit Hinweisen auf angeblich bedrohte Arbeitsplätze und die "Freiheit der Raucher".

Diese Freiheit nehme ich mir aber selber, wenn ich der Sucht nicht widerstehen kann. Oder eben nicht, wenn ich klüger werde. Trotz oder wegen der verschärften Warnhinweise.

Für den Ewig-Raucher Helmut Schmidt hat der entschärfte Beschluss des EU-Parlaments immerhin etwas Gutes: Mentholzigaretten bleiben noch einige Jahre legal. So kann der Altkanzler und ZEIT-Herausgeber hoffentlich über seinen 100. Geburtstag hinaus seinem Laster frönen.