Ein Ausschlag nach rechts, einer nach links – dass Forscher bei Experimenten schauen, wie sich Zeiger an Messgeräten bewegen, ist nicht ungewöhnlich. Den Versuch des Tierforschers Marcello Siniscalchi macht aber besonders, dass der Zeiger von Fell umhüllt ist und ein Hund daran hängt.

Siniscalchi beschäftigt sich an der Universität Bari mit dem Schwanzwedeln der Vierbeiner. Nun berichtet er mit Kollegen im Magazin Current Biology, dass die Bewegungen der Rute Artgenossen entweder beruhigen oder stressen kann. Entscheidend sei, in welche Richtung ein Hund seinen Schwanz vorwiegend wedelt.

Die Forscher zeigten 35 Hunden verschiedener Rassen auf einem Bildschirm verschiedene Schattenrisse von Artgenossen, die sich den Versuchstieren zuwandten. Die Schatten unterschieden sich nur in einem Aspekt: Mal wedelte ihr Schwanz mehr nach rechts, mal mehr nach links und mal gar nicht. Die vierbeinigen Versuchsteilnehmer blieben ruhiger und näherten sich oft auch dem Bildschirm, sobald sie beobachteten, dass ihr schattiges Gegenüber von ihnen aus gesehen seine Rute mehr nach rechts oder gar nicht wedelte. Ein Linksdrall der schwingenden Bewegung ließ hingegen den Puls der Studienteilnehmer steigen und sie wichen vom Bildschirm zurück.

"Hunde reagieren also nicht zufällig auf die Richtung des Schwanzwedelns", sagt Siniscalchi. Das Ergebnis begründen er und seine Kollegen mit den Verbindungen zwischen Gehirn- und Körperhälften. Die linke Hirnhälfte, die mit der rechten Körperhälfte verschaltet ist, sei einfach ausgedrückt für Annäherung spezialisiert. Die rechte Hirnhälfte hingegen ist verknüpft mit der linken Körperhälfte und für das Zurückziehen zuständig. Beobachtet ein Hund demnach ein Linkswedeln eines Artgenossen, scheint er ablehnende Signale wahrzunehmen, er reagiert unruhig und gestresst.

Hundekommunikation basiert selten auf Forschung

Juliane Kaminski ist von den Ergebnissen der Studie begeistert. Die Psychologin an der britischen Universität Portsmouth beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit der Kommunikation zwischen Hunden. Vieles an Verständigung im Tierreich lasse sich anhand von Hunden verstehen, sagt sie. Einerseits welche Rolle Kommunikation im sozialen Gefüge unter Tieren hat. Andererseits sind Hunde es gewohnt, ihr Verhalten an den Menschen anzupassen. Doch obwohl die Vierbeiner seit rund 15.000 Jahren mit Menschen zusammen leben und uns so nah sind wie kein anderes Tier, ist ihre Sprache für die Wissenschaft immer noch ein Rätsel. "Es wird vieles über Hundekommunikation gesagt, das meiste sind allerdings nur Meinungen. Meinungen, die nicht auf Forschung basieren", sagt Kaminski.

Dafür gibt es einige Beispiele. So lieferte etwa eine Studie Hinweise, dass Hunde die Größe ihrer Artgenossen auch abschätzen können, wenn sie sie nur bellen hören. Allerdings galt dies nicht für alle Hunde. Vor allem kleine Vierbeiner reagierten gleich, egal ob sie einen größeren oder kleineren Hund hörten. Und manche von den Versuchshunden ließ das Bellen anderer grundsätzlich kalt. Für die Reaktion der kleinen Hunde lieferten die Studienautoren eine Erklärung. Sie gingen davon aus, dass für Terrier und Dackel grundsätzlich bellende Artgenossen, die sie nicht sehen können, eher eine Gefahr sind. Die übrigen reaktionsträgen Versuchshunde hinterließen die Forscher aber ratlos.