Zobel hat diese Eingriffe als Kind nicht erleben müssen, die Intersexualität wurde erst später entdeckt. "Aber auch mir wurden Operationen angedroht", erinnert sich Zobel. "Ich weiß noch, was für Ängste ich hatte, zurechtgemodelt zu werden." Für Zobel war die Diagnose Anstoß, sich intensiver mit der Biologie des Menschen auseinanderzusetzen. "Ich wollte nicht nur Betroffener sein, ich wollte wissen, was das genau bedeutet." Deshalb studierte Zobel nicht nur Architektur, sondern auch Biologie.

Zobel lehnt heute den Begriff der Intersexualität ab und spricht von "Mehrwertigkeit". Das Geschlecht bestimme sich aufgrund verschiedener Variablen. "Es ist fehlerhaft, bestimmten Chromosomen oder Hormonen männliche oder weibliche Eigenschaften zuzuschreiben." Auch Hertha Richter-Appelt sagt, dass sich das Geschlecht aus verschiedenen Aspekten zusammensetzt. "Eine Riesengruppe von Genen bestimmt, wie sich unser Körper entwickelt."

Es könne sein, dass jemand vom äußeren Erscheinungsbild ganz weiblich ist und innere männliche Organe hat  – oder dass man irgendwo dazwischen liegt. Deshalb gebe es kaum drei oder fünf Geschlechter. "Man könnte auch sagen, es gibt Tausende", sagt die Wissenschaftlerin. Lucie Veith ergänzt: "Diese Variationen des Lebens stecken wir einfach in zwei Kartons. Vielleicht hilft das neue Gesetz, das zu verändern." Und auch Psychologe Wunder sieht das Gesetz als eine Aufgabe: "Es kommt auf uns an, es mit Leben füllen."