Ein ohrenbetäubendes Donnern, ein heller Lichtstrahl und Fenster, die mit einem Klirren zersplittern – für die Bewohner im russischen Tscheljabinsk muss es sich angefühlt haben, als würde ihnen der Himmel auf den Kopf fallen. Ein Meteoritenschauer suchte im Februar den Südwesten Russlands heim. Mehr als tausend Menschen wurden verletzt, die herabstürzenden Brocken verursachten einen Schaden in Millionenhöhe.

Das Ereignis kam völlig unerwartet, niemand war auf den Schauer vorbereitet. Forschern ist seit Längerem klar, dass sie noch immer zu wenig über jene Meteore weiß, von denen ein Exemplar Tscheljabinsk überraschte, um sie vorherzusagen. Das liegt auch daran, dass sie bislang schwer zu beobachten sind, gerade wenn sie in Wüsten oder im Meer fernab der Zivilisation auf die Erde stürzen.

Nun könnte es ein Wetterforscher sein, der diesen blinden Fleck der Meteorforschung behebt. Der Amerikaner Steve Miller von der Colorado State University und seine Kollegen haben den Vorfall von Tscheljabisnk rekonstruiert und dafür auf eine Methode zurückgegriffen, die auch ohne Augenzeugen am Ort auskommt. Sie nutzten Aufnahmen von Wettersatelliten. Die Ergebnisse präsentieren die Forscher im Fachmagazin PNAS. Sie konnten damit die bisher auf Basis von Fotos und Videos berechnete Flugbahn reproduzieren. Viele Menschen hatten im Februar den berstenden Meteor am Himmel geknipst und gefilmt.

Das ihre Methode überhaupt funktioniert, ist einigermaßen verwunderlich. Eigentlich sind Satelliten mit ihren Aufnahmen viel zu langsam, um die bis zu 72.000 km/h schnellen Geschosse aus dem All zu verfolgen. Sie funktionieren nicht wie eine Kamera, die Schnappschüsse von Himmelsausschnitten macht. Satelliten scannen stattdessen Pixel für Pixel den Himmel ab und puzzeln aus diesen Pixeln anschließend ein Bild zusammen. Dass also ein Satellit genau den Bereich des Himmels scannt, den gerade ein Meteor passiert, ist eher unwahrscheinlich.

Geholfen hat den Forschern, dass der Tscheljabinsk-Meteor eine breite Spur aus Eis- und Geröllpartikel in der Atmosphäre hinterlassen hat. "Wir sehen auch die Kondensstreifen von Flugzeugen mit unseren Satelliten. Und das, was Meteore dieser Größe hinterlassen, ist im Grunde nichts anderes als ein sehr großer Kondensstreifen", sagt Miller.

Indem sie die Trümmerspur aus verschiedenen Satellitenaufnahmen abglichen, konnten die Forscher die Flugbahn des Meteors erstaunlich präzise berechnen. 

Die Aufnahmen bieten außerdem weitere Vorteile. So können Satelliten das Licht einzelner Wellenlängen beobachten. Da Luftpartikel oder Tröpfchen je nach Größe anders auf das Licht einer bestimmten Wellenlängen reagieren, ermöglichen die Satellitenbilder Aussagen über den Wassergehalt der Luft und der umherfliegenden Partikel.