Für jeden zehnten Menschen auf der Erde ist frisches sauberes Trinkwasser, das bei Bedarf aus dem Hahn sprudelt, ein unerfüllter Traum. Vielen würde im Kampf gegen eine hohe Kindersterblichkeit und sich schnell ausbreitenden Infektionskrankheiten schon ein Brunnen oder eine gut erreichbare Quelle helfen, wo es wenigstens keimfreies Wasser gibt. Doch in einigen Teilen der Erde gibt es nicht einmal das.

Studien, die Wissenschaftler im Auftrag der Vereinten Nationen durchgeführt haben, prognostizieren sogar, dass sich das Wasserproblem noch verschlimmern wird. Das UN-Entwicklungshilfeprogramm schätzt, dass im Jahr 2080 rund 1,8 Milliarden Menschen unter Wassermangel leiden werden. Seit Jahren sprechen Forscher davon, dass die nächsten Kriege der Menschheit um Wasser geführt werden und nicht um Öl oder Gold.

Eine Region, in der Wasser schon heute umkämpft ist, ist die Turkana-Halbwüste im Nordwesten Kenias an der Grenze zu Äthiopien. Zwar hält sich dort, mitten in der dürren Steppe, der weltweit größte dauerhafte Wüstensee. Doch der trocknet langsam aus und versalzt zunehmend. Außerdem könnte Äthiopien den Kenianern buchstäblich das Wasser am Tukana-See abgraben, wenn der im Bau befindliche Staudamm am einzigen Zulauf des Sees – dem Omo-River – fertig ist. Noch immer wird um den Damm zwischen den Grenzstaaten heftig gestritten.  

Da kommt es gerade recht, dass ein französischer Geologe jetzt ausgerechnet unter der Turkana-Wüste zwei unterirdische Seen, sogenannte Aquiferen, entdeckt hat – voll mit frischem Grundwasser. Diese Quellen lassen sich relativ einfach anzapfen, sodass das Wasser für die Bevölkerung nutzbar gemacht werden kann. Künftig sollen Nomaden auch ihr Vieh damit tränken und Bauern ihre Felder bewässern. 

Alain Gachet und seine Firma Radar Technologies International versuchen schon länger im Auftrag der Vereinten Nationen, in Afrika unterirdische Süßwasser-Reservoire aufzuspüren. Auch in Gabun, Tschad, Angola und Sudan wurde der Franzose in den letzten Jahren schon fündig.

Wassersucher wie er ziehen heute nicht mit Wünschelruten oder Pendeln in die Wildnis. Anhand von Radaraufnahmen, die Satelliten vom Weltraum aus gemacht haben, kann Gachet von seinem Schreibtisch aus Hunderttausende Quadratkilometer Erdoberfläche nach Wasser absuchen. Erst später reist er dorthin, wo er einen unterirdischen See vermutet und führt Testbohrungen durch. Der Erfolg spricht für seine Methode, die er "Watex" nennt. Das steht für "water exploration": Inzwischen habe er eine Trefferquote von 95 Prozent, erklärt Gachet. Früher habe nur jede dritte Bohrung Wasser zutage gebracht.

Der Fußabdruck des Grundwassers

In den letzten 15 Jahren hat sich die Suche nach dem nassen Gold vom Glücksspiel zur Detektivarbeit entwickelt. Denn selbst wenn das Wasser unter Sand und Erde versteckt ist, hinterlässt es Spuren auf der Oberfläche.

Bereits 1998 zeigte ein Forscherteam des US Geological Service, dass sich der Wasserstand von Aquiferen anhand der Höhe des darüber liegenden Wüstenbodens ablesen lässt. Sackt der Boden an der jeweiligen Stelle ab, ist der Pegel im unterirdischen See gefallen.

Umgekehrt hat die Landschaftsform aber auch Einfluss darauf, wo ein unterirdischer See entsteht. Ausgetrocknete Flussbetten, Täler und Risse in der Erdoberfläche wirken wie Auffangtrichter für Regen. Gibt es keine oberirdischen Seen oder Flüsse, stehen die Chancen gut, dass ein wahrer Schatz dort verborgen ist, wo solche Trichter vorkommen.

2007 hat die Europäische Weltraumbehörde Esa darum ausprobiert, wie gut sich solche Trichter mit Satellitenaufnahmen aufspüren lassen. Benjamin Kötz ist Leiter der damals gestarteten TIGER-Initiative zur Wasserversorgung Afrikas."Im Niger haben wir mit Radar-Satelliten genau diese Trichter-Gebiete gefunden, in denen sich Grundwasser bilden kann. Insofern ist der Fund in Kenia der nächste, logische Schritt", sagt Kötz.

Das von Gachet entwickelte Watex-System hat gegenüber dem Esa-Projekt jedoch einen entscheidenden Vorteil: Es nutzt auch Wetterdaten und geologische Messungen. Und das steigert die Chancen auf einen Treffer.

"Man kann den tollsten Trichter haben, wenn kein Regen fällt, ist das alles nutzlos. Und wenn es eine Lehmschicht gibt, die das Wasser aufsaugt, dann werden wir nie Wasser finden", sagt Gachet. So weit es geht, wollen er und die Vereinten Nationen jetzt Aquifere finden, die sich über das Jahr selbst wieder füllen.

An ihre Grenzen stoßen die Wassersucher dann, wenn das Grundwasser zu tief liegt, um es ohne viel Aufwand anbohren zu können. "Wir arbeiten hier mit ganz bescheidenen Mitteln", sagt er.