Es ist ein exotisches Gift, das die Täter sich womöglich aussuchten, um den Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat 2004 zu töten. Absolut sicher ist zwar nicht, dass ihn radioaktives Polonium 210 verabreicht wurde. Wenn aber, könnte seinen Mördern das zum Verhängnis werden. Das silbrig-weiße Metall ist eine toxische Waffe, die viel über jene verrät, die damit hantieren.

Polonium-210 kommt in der Natur höchst selten vor. In einer Tonne natürlichem Uran-Erz steckt nur ein Zehntausendstel Gramm des Elements. Größere Mengen lassen sich also nur künstlich gewinnen.

Dafür wird das radioaktiv stabile Element Bismut-209 in einem Reaktor mit Neutronen beschossen. Der Kern des Atoms schluckt dann ein einzelnes Neutron und so wird aus Bismut-209 das instabile Bismut-210. Nach relativ kurzer Zeit gibt das Bismut-210 ein Elektron ab und wird schließlich zum Polonium-210.

Nach Schätzungen der internationalen Atomenergieagentur (IAEA) werden weltweit nur 100 Gramm des Stoffs pro Jahr hergestellt. Das Online-Magazin Matter nennt in einem Bericht drei Länder, die zuverlässig das radioaktive Element gewinnen können: USA, Russland und Israel.

Aus welchem dieser Länder das Polonium stammt, ließe sich vielleicht sogar herausfinden. Denn alle drei nutzten nämlich unterschiedliche Reaktortypen zur Herstellung radioaktiver Stoffe. Dadurch müsste auch die Zusammensetzung des Poloniums je nach Land leicht unterschiedlich sein. Hätte man also eine ausreichend saubere Probe, könnte man den ungefähren Herstellungsort ermitteln. Genauso wie man bei einer abgefeuerten Patrone auch auf die Pistole und mitunter den Schützen schließen kann.

Hinzu kommt, dass Polonium zwar schnell zerfällt, aber auch kleinste Mengen noch strahlen und sich so Spuren zum Täter verfolgen lassen. Ein Gramm des Stoffes reicht aus, um eine Leistung von 140 Watt freizusetzen. Früher wurde es daher genutzt, um bei Mondmissionen die technischen Geräte in der kalten lunaren Nacht warm zu halten. Für moderne Sensoren ist es also ein Leichtes, kleinste Restmengen des Metalls aufzuspüren.

Schon einmal wurde eine solche Spur nachverfolgt. In der Geschichte der Poloniumvergiftungsfälle sticht ein einziger heraus. Schlicht, weil sonst keine wirklich dokumentiert sind. Der russische Regierungskritiker Alexander Litwinenko starb 2006 in London an der Alphastrahlung von Polonium-210, die in seinem Körper langsam Zellen, Gefäße und Gewebe zerstörten. Seine Mörder hatten ihm wohl geringste Mengen des Metalls in den Tee gemischt. Die Ermittler von Scotland Yard konnten sogar eine strahlende Spur des Poloniums quer durch die britische Hauptstadt verfolgen. Sie führte die Ermittler schließlich zu den mutmaßlichen Tätern. Die zwei Agenten des russischen Geheimdienstes FSB wurden allerdings nie von Russland ausgeliefert.