Bill Gates ist ein Freund der Wissenschaften. Und er glaubt daran, dass die Forschung besonders gedeiht, wenn sich Wissenschaftler auf der ganzen Welt austauschen. Deswegen ist der Gründer und frühere Chef von Microsoft am Mittwoch nach Berlin gekommen, um in der Hauptstadt das Start-up ResearchGate zu besuchen.

"Unsere Stiftung arbeitet schon lange daran, etwa bei der Suche nach neuen Impfstoffen, die wissenschaftliche Community zusammenzubringen. Das wird durch ResearchGate einfacher", sagt Bill Gates bei einem kurzen Gespräch in den Räumen der Firma. "Ich bin wirklich sehr aufgeregt darüber, wie die digitale Welt die wissenschaftliche Community zusammenbringt."

Der Besuch bei der Berliner Plattform, die eine Art Facebook für Wissenschaftler sein will, kommt freilich nicht zufällig. Gates zählt zu den Investoren, bei denen ResearchGate im Sommer rund 35 Millionen US-Dollar Kapital eingesammelt hat. Das reiche nun erst einmal eine Weile, hört man bei dem Start-up, das mittlerweile rund 110 Mitarbeiter hat.

Derartige Millionen-Geldbeträge sind nicht spektakulär für jemanden wie Gates, der gemeinsam mit seiner Frau die Bill und Melinda Gates Foundation gegründet hat, ausgestattet mit einem Kapital von 36,2 Milliarden Dollar. Jedes Jahr schüttet sie Milliardenförderbeträge aus. Doch die Idee hinter ResearchGate scheint Gates ganz besonders am Herzen zu liegen. Es ist die Idee des einfachen Austausches zwischen Vertretern unterschiedlichster Fachgebiete. Das Geld, das er hierein investiert, stammt aus seinem persönlichen Vermögen.

Kann der NSA-Überwachungsskandal die Vision zerstören?

Dabei sind es raue Zeiten für die Vision von einer Online-Community, in der frei und über Ländergrenzen hinweg über wissenschaftliche Erkenntnisse diskutiert wird. Als Reaktion auf die Überwachung durch die NSA und andere Geheimdienste, die auch der Wirtschaftsspionage dient, wird in Deutschland und anderswo über die Einführung von regionalen Teil-Internetzen diskutiert. Bedroht diese Entwicklung nicht auch das Vertrauen unter Wissenschaftlern, die sich offen austauschen sollen?

Bill Gates glaubt das nicht und erwartet auch nicht, dass das Internet in viele kleine Teile zerfallen wird. Die Tendenz zur Vereinigung ("forces of unification") sei heute einfach stärker, meint Gates. "Die Art, wie wir sozial agieren, jedes Gerät, das einem einfällt, ist mit dem Internet verbunden."

Was die Restriktionen in manchen Staaten angeht, äußerte sich Gates nur zu China: "Selbst dort ist die Wissenschaftscommunity aber nicht gänzlich abgeschottet", sagte er.