Als dritte Nation der Erde plant China eine Mondlandung und hat dazu am Sonntag die Rakete Chang'e 3 vom Raumfahrtbahnhof Xichang in der Provinz Sichuan ins All geschickt. An Bord befand sich der Rover Yutu, der den Mond dann ab Mitte Dezember erkunden und Bilder von der geologischen Struktur des Erdtrabanten zur Erde übertragen soll. Eine Rückkehr mit Gesteinsproben zur Erde plant China erst bei künftigen Mondlandungen bis spätestens 2017.

Der Start wurde live vom Staatsfernsehen übertragen. Der Start des Raumschiffes erfolgte demnach bei "idealen Wetterbedingungen" mit Temperaturen etwas unter null Grad und wenig Wind. Die Triebwerke und Raketenstufen trennten sich wenige Minuten nach dem Abheben problemlos von der Rakete. Alle Systeme funktionierten "normal", berichtete die Bodenkontrolle. Das Staatsfernsehen sprach nach einer halben Stunde von einem "Erfolg".

Anfang November hatten die Behörden ein Modell von Yutu der Öffentlichkeit präsentiert. Das goldfarbene Fahrzeug mit sechs Rädern und Solar-Flügeln soll mit einem Tempo von bis zu 200 Metern pro Stunde über den Mond rollen und angeblich Steigungen von bis zu 30 Prozent bewältigen. Sein Name geht zurück auf ein weißes Kaninchen aus der Landesmythologie, das als Haustier der Mondgöttin Chang'e auf dem Mond lebte. Der Name war in einer Internet-Befragung ausgewählt worden, an der 3,4 Millionen Menschen teilnahmen.

Schwebend über der Mondoberfläche

Anders als frühere Mondfähren der USA und der Sowjetunion soll Yutu etwa 100 Meter über der Oberfläche schweben können, um Hindernissen ausweichen und den geeigneten Landeplatz aussuchen zu können. Chang'e, so schreibt es die Nachrichtenagentur Xinhua, sei mit präzisen und schnell reagierenden Sensoren ausgestattet, um Bewegung und Umgebung analysieren zu können. Die Landung soll in der sogenannten "Bucht der Regenbogen" erfolgen. Forscher schätzen die flache Geografie dieser Sinus Iridum, die die Kommunikation erleichtert. Zudem gebe es reichlich Sonnenschein für die Solarsegel, um Strom zu produzieren.


Das unbemannte Mondfahrzeug ist der nächste Schritt des ehrgeizigen chinesischen Weltraumprogramms, das bis 2020 den Aufbau einer dauerhaften Weltraumstation vorsieht. Für Peking ist das vom Militär verantwortete Raumprogramm ein Symbol für das wachsende internationale Gewicht des Landes und die wissenschaftliche und technische Aufholjagd gegenüber dem Westen und Russland, die beide den chinesischen Anstrengungen noch voraus sind.

Unterstützung von der ESA

Unterstützt wurde der Start von Chang'e 3 von der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA). Diese verfolgt den Flug von der Weltraumstation Kourou in Französisch-Guayana aus und leitet von dort entsprechende Steuerungsbefehle weiter. Die Unterstützung wird vom Kontrollzentrum in Darmstadt koordiniert. "Internationale Zusammenarbeit wie diese ist für künftige Erkundungen von Planeten, Monden oder Asteroiden notwendig und für alle vorteilhaft – egal ob es bemannte oder unbemannte Flüge sind", sagte der Raumflugdirektor und frühere deutsche Astronaut Thomas Reiter.