"Still here, all well – waiting for relief" , so lautet der jüngste Eintrag in der Google-Karte , auf der die Teilnehmer der australischen Südpol-Expedition The Spirit of Mawson täglich ihre Position im Südlichen Ozean markieren. Alle seien noch da, allen gehe es gut, man warte auf Rettung.

Seit Heiligabend hat sich nur noch ihr Status geändert, die Position ihres Schiffes nicht mehr. Das gut 70 Meter lange Expeditionsschiff MV Akademik Schokalski, das unter russischer Flagge fährt, hat sich im ewigen Eis festgefahren . Der nächste Hafen ist 1.500 Seemeilen, umgerechnet also knapp 2.800 Kilometer weit entfernt.

Die 74 Menschen an Bord sitzen in der Commonwealth-Bucht fest, bei schwerem Schneesturm und Außentemperaturen um den Gefrierpunkt. Nachdem mehrere Eisbrecher vergeblich versucht hatten, sich dem in Not geratenen Expeditionsschiff zu nähern, bleibt jetzt nur noch eine Bergung per Hubschrauber. Doch auch darauf müssen die Eingeschlossenen warten. Erst bei besserer Sicht und weniger stürmischem Wetter könnten sich Hubschrauber den Schiffbrüchigen nähern.

Das russische Außenministerium teilte am Montag mit, die Passagiere und die Mehrzahl der Crewmitglieder sollten auf dem Luftweg von Bord geholt werden, sobald es das Wetter zulässt. Derzeit sei weder das Leben noch die Sicherheit der Menschen auf dem feststeckenden Schiff in Gefahr.

Zwei Journalisten des britischen Guardian , Alok Jha und Laurence Topham, sind an Bord des Schiffes, das eine funktionierende Internetverbindung hat. Sie berichten täglich von der Situation auf dem Expeditionsschiff.

Rettungsversuche auf dem Seeweg scheiterten

Schon am ersten Weihnachtstag war der Crew des für den Passagierverkehr umgerüsteten Polarkreuzers klar geworden, dass sich das Schiff aus dem dicken Eis nicht mehr aus eigener Kraft würde befreien können. Sie setzte einen Notruf ab, woraufhin sich drei Schiffe in Bewegung setzten, um der MV Akademik Schokalski zu Hilfe zu kommen.

Als erstes näherte sich am Freitag der mit rund 170 Metern Länge gigantische chinesische Forschungseisbrecher Xue Long zu Deutsch Schneedrache – dem feststeckenden Schiff, das zu diesem Zeitpunkt eine sich über 20 Kilometer erstreckende Eisschicht vom offenen Meer trennte. Von der Brücke der MV Akademik Schokalski aus hatte man die herannahenden Helfer bereits sehen können, was auf eine schnelle Bergung hoffen ließ. Doch sechs Kilometer vor dem Ziel musste der Schneedrache aufgeben: Dort war das Eis selbst für den Eisbrecher zu dick. Ein französisches Schiff, das ebenfalls Kurs auf den Unglücksort genommen hatte, musste schon früher aufgeben und abdrehen.

Der chinesische Eisbrecher hält sich weiter in der Nähe des feststeckenden Schiffes auf. Er hat einen Hubschrauber an Bord, der zur Bergung eingesetzt werden könnte.

Am Montag scheiterte ein weiterer Rettungsversuch über den Seeweg. Der knapp 95 Meter lange Eisbrecher Aurora Australis musste wegen eines heftigen Schneesturms umkehren. "Das Wetter war heute schockierend", twitterte Expeditionsleiter Chris Turney. Zwar schaffte es die Aurora Australis bis auf zehn Seemeilen (rund 18 Kilometer) an die Unglücksstelle heran. Die Sichtverhältnisse verschlechterten sich aber derart, dass eine Weiterfahrt zu gefährlich gewesen wäre, teilte das Rettungszentrum der australische Seesicherheitsbehörde (Amsa) mit. Die Aurora Australis soll einen neuen Rettungsversuch starten, sobald das Wetter aufklart.

Von den 74 Menschen an Bord des 1982 in Finnland gebauten Schiffes sind 50 Passagiere und 24 Besatzungsmitglieder. Neben einem Team aus australischen, neuseeländischen und britischen Wissenschaftlern, darunter Meeresbiologen, Botaniker und Klimaforscher, nehmen 26 Touristen an der kommerziellen Expedition teil, die am 8. Dezember von Neuseeland in Richtung Antarktis aufgebrochen war.