"Das hab ich mir nicht gewünscht!", "Die Farbe steht mir nicht" und "Schon wieder Socken?" Weihnachten ist nicht nur das Fest der Freude. An Heiligabend kann man merken, dass mitunter zwischen Wunsch und Wirklichkeit Welten liegen. Eine Erfahrung, die Kometenjäger schon vor den Feiertagen machten.

Der rund fünf Kilometer große "Jahrhundertkomet" Ison ist Anfang Dezember bei seinem Wendemanöver hinter der Sonne weitestgehend zu kosmischem Staub zerfallen. Einen gleißend hellen Kometen, den man an den Feiertagen sogar bei Tageslicht mit bloßem Auge sehen kann –  diese Hoffnung ist Geschichte.

Stattdessen gibt es für Hobbyastronomen zumindest mit dem Kometen Lovejoy ein Trostpflaster. Ihn wird man zu Weihnachten bei klarem Nachthimmel erspähen können. Allerdings, betonen Astronomen, ist der mit Ison nur bedingt vergleichbar. Zwar sind beide Brocken aus Eis und Gestein ähnlich groß, ähnlich alt und kommen aus der gleichen Region des Weltalls. "Lovejoy hat aber eine ganz andere Flugbahn und wird weniger hell strahlen", sagt Ekkehard Kührt, Kometenforscher am Deutschen Luft-und Raumfahrtzentrum.

So wurde in der ersten Euphorie dem Kometen Ison eine Helligkeit von bis zu -16 mag prophezeit. Das hätte bedeutet, dass er zeitweilig den Mond überstrahlt hätte. Denn je niedriger die mag-Zahl ist, desto heller erscheint ein Himmelskörper. Unsere Sonne hat einen Wert von rund -27 mag, der Vollmond liegt bei -13 mag. Komet Lovejoy wird in seinen hellsten Momenten höchstens +4,8 mag erreichen. Das entspricht ungefähr dem, was das bloße  Auge ohne Hilfsmittel am Himmel erkennen kann.

Morgens können Sternengucker Lovejoy am Ost-Nordost-Himmel erspähen, abends west-nordwestlich. Der Komet wandert aufgrund der Erdrotation mit dem Sternbild Herkules jeden Abend über unser Firmament. Seine Flugbahn rückt dabei zunehmend an den Horizont, sodass es schwieriger wird, ihn zu beobachten.

Der mehr als vier Milliarden Jahre alte Schweifstern wird schließlich am 22. Dezember seine sonnennächste Position erreichen. Seine Entfernung von der Sonne wird dann 121 Millionen Kilometer betragen. Eine sichere Distanz, verglichen mit dem todesmutigen Ison, der sich bis auf 1,7 Millionen Kilometer an die Sonne herantraute und dabei weitestgehend verglühte.

Auch Komet Lovejoy muss an der Sonne wenden. Und wenn er das übersteht, wovon derzeit auszugehen ist, und nicht spontan auseinanderbricht, so kann man ihn wohl bis Silvester am Himmel mit ein bisschen Glück sehen. 

Grünes Licht für Silvester

Außerdem zeigt er eine kleine Besonderheit: Der Komet Lovejoy leuchtet grünlich, weil relativ viel Cyan, eine Kohlenstoff-Stickstoff-Verbindung, in ihm steckt. Sein außergewöhnlicher Schweif setzt damit die Schlussnote zu einem besonderen Kometenjahr, in dem nicht nur Ison die Astronomen faszinierte, sondern auch die Kometen Panstarrs und Lemmon Sternengucker im Frühling 2013 verzückten. 

Zudem dürfen sich künftige Generationen auf ein wiederkehrendes Spektakel freuen: In 9.900 Jahren kommt Lovejoy zurück Richtung Erde. Vielleicht kann er dann wieder einigen Hobbyastronomen eine Riesenfreude zu Weihnachten machen.